Zusammenfassung – Die Zunahme ungenutzter Funktionen (60–80 % mit geringer oder keiner Nutzung) belastet die Kosten, bremst die Innovation und verkompliziert die Nutzererfahrung. Ein nutzerzentrierter Ansatz mit klarer Produkt-Governance und frühzeitigen Tests verknüpft jede Funktion mit einem messbaren Ziel, priorisiert nach Mehrwert und entfernt systematisch leistungsschwache Module.
Lösung: die Nutzerstimme zentralisieren, Erfolgskriterien festlegen und einen Prozess zum Ausphasieren von Funktionen einführen, um eine agile Roadmap mit klarem Geschäftsfokus zu gewährleisten.
Die Verschwendung von Funktionen stellt eine große Herausforderung bei der Entwicklung digitaler Produkte dar, da bis zu 80 % der ausgelieferten Funktionen kaum genutzt werden.
Dieses Phänomen verursacht versteckte Kosten und beeinträchtigt die Qualität der Nutzererfahrung, indem es die Tools verkompliziert und die Adoption verzögert. Für IT-Leiter, Chief Information Officers und Leiter der digitalen Transformation ist das Verständnis des Ausmaßes dieser Verschwendung entscheidend, um IT-Investitionen zu optimieren und eine Roadmap zu gewährleisten, die auf echte Wertschöpfung ausgerichtet ist. Ein nutzerzentrierter Ansatz in Kombination mit strikter Governance ermöglicht es, jede Funktion an ein konkretes und messbares Ziel zu knüpfen, Abweichungen zu reduzieren und die Rendite zu maximieren.
Das Ausmaß der Funktionsverschwendung und seine geschäftlichen Auswirkungen
Studien zeigen, dass die Mehrheit der in digitalen Produkten entwickelten Funktionen keine nennenswerte Adoption erreicht. Diese Verschwendung belastet Budgets erheblich und bremst Innovationszyklen.
Zentrale Kennzahlen und Forschungsstudien
Mehrere Forschungsstudien, darunter Umfragen von spezialisierten Einrichtungen, zeigen, dass 60 bis 80 % der Funktionen einer Anwendung selten oder gar nicht genutzt werden. Diese Erkenntnis basiert auf der Analyse der tatsächlichen Nutzung von Oberflächen und Anwendungslogs.
In einem Branchenbericht stellte ein Anbieter von Analyse-Lösungen fest, dass nur 20 % der Funktionen für 80 % der gesamten Nutzung verantwortlich sind. Dieses umgekehrte Pareto-Prinzip unterstreicht, wie wichtig es ist, sich auf die tatsächlich strategischen Module für den Nutzer zu konzentrieren.
Diese belastbaren Daten zeigen, dass IT-Teams ohne präzise Steuerung Zeit und Ressourcen in Entwicklungen mit geringem Mehrwert investieren und so die operative Effizienz und Kundenzufriedenheit beeinträchtigen.
Indirekte finanzielle Folgen
Erhöhte Kosten entstehen durch die Entwicklung und Wartung ungenutzter Funktionen – nicht nur in der Entwurfsphase, sondern auch bei Updates und Support. Jede überflüssige Codezeile belastet Test- und Deployment-Prozesse.
Beispielsweise identifizierte ein schweizerisches Industrieunternehmen in seinem internen Verwaltungstool über zwei Dutzend selten genutzter Module. Deren regelmäßige Wartung beanspruchte 25 % der Supportzeit, ohne einen erkennbaren geschäftlichen Mehrwert zu schaffen.
Diese Situation zeigte, dass die Freistellung der Teams von diesen Aufgaben ihnen ermöglichen würde, sich auf wirkungsstarke Weiterentwicklungen zu konzentrieren und so die Time-to-Market sowie die Gesamtleistung der IT-Landschaft zu verbessern.
Auswirkungen auf die Benutzererfahrung und Adoption
Interface-Überfrachtung mit Funktionen erschwert die Navigation und erhöht die Lernkurve für Endnutzer. Durch die Vervielfachung von Menüs und Optionen werden Nutzerpfade fragmentiert und Verwirrung gestiftet.
UX-Analysen in einem kantonalen Verwaltungsverband zeigten eine Abbruchrate von 40 % bei der ersten Nutzung ihres internen Portals, verursacht durch die Überfrachtung mit nicht relevanten Optionen.
Vereinfachung der Oberfläche und das Entfernen selten genutzter Funktionen erhöhen die Zufriedenheit und Bindung der Nutzer – eine unverzichtbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Adoption.
Ursachen der Verschwendung: Prozesse, die von realen Bedürfnissen entkoppelt sind
Funktionsüberfrachtung entsteht häufig durch Roadmaps, die von internen Interessen gesteuert werden und die Nutzerbedürfnisse ausblenden. Das Fehlen frühzeitiger Validierung verstärkt diese Diskrepanz und fördert die Verschwendung.
Diskrepanz zwischen Produkt-Roadmap und tatsächlichen Bedürfnissen
Manchmal werden Roadmaps in Silos erstellt – als Reaktion auf strategische Vorgaben oder Budgetzwänge – ohne intensive Abstimmung mit den Endnutzern. Dieser Mangel an Praxisnähe schafft Lücken zwischen dem versprochenen und dem wahrgenommenen Wert.
In einem schweizerischen Mittelstandsunternehmen aus der Logistikbranche lieferte die IT-Abteilung ein Tourenplanungsmodul mit einem Dutzend Kriterien aus. Nach dem Start wurde jedoch nur ein Kriterium täglich genutzt. Dies zeigte, dass die Analyse der fachlichen Prioritäten unzureichend war.
Diese Erfahrung verdeutlicht, wie wichtig es ist, operative Teams bereits in der Konzeptionsphase einzubeziehen, um Entwicklungen an konkreten und messbaren Zielen auszurichten.
Mangel an frühzeitiger Nutzervalidierung
Ohne Prototyping und Nutzertests vor der Entwicklung werden Funktionen oft auf Basis ungetesteter Annahmen entworfen. Das Ergebnis kann eine Lösung sein, die den tatsächlichen Nutzungsanforderungen nicht gerecht wird.
In einem HR-Plattformentwicklungsprojekt einer großen schweizerischen Organisation wurden mehrere Funktionen ohne Nutzerfeedback in Produktion genommen. Das Team musste später 70 % des ursprünglichen Umfangs überarbeiten, was zu einer dreimonatigen Verzögerung führte.
Diese Situation zeigt, dass die schnelle Invalidierung von Konzepten mittels interaktiven Mock-ups oder Co-Creation-Workshops unerlässlich ist, um Abweichungen zu vermeiden.
Übermaß an internen Spezifikationen und Funktionsüberfrachtung
Umfangreiche Spezifikationsdokumente, in denen jede fachliche Anforderung ohne Priorisierung aggregiert wird, führen zu einem „Kompendium“-Effekt, bei dem alles ohne klare Hierarchie entwickelt wird.
Beim Refactoring einer B2B-Plattform stellte ein schweizerisches Unternehmen fest, dass 45 % der Spezifikationen selten in der Produktion angefragt wurden. Diese Überlastung hatte die Validierungszyklen verlängert und Updates blockiert.
Durch die Überarbeitung dieser Spezifikationen mit einem „Wert vor Volumen“-Ansatz konnte das Unternehmen sein Backlog halbieren und gleichzeitig die strategischen Funktionen für seine Nutzer beibehalten.
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Nutzerzentrierte Kultur zur Verringerung von Verschwendung
Ein nutzerzentrierter Ansatz stellt sicher, dass jede Funktion einem realen und messbaren Bedarf entspricht. Systematische Tests und Feedback minimieren überflüssige Entwicklungen.
Systematische Integration der Nutzerstimme
Die Erfassung von Nutzerfeedback mittels Interviews, Fragebögen und Testsessions sollte ein fester Bestandteil des Entwicklungszyklus sein. Dieser Ansatz ermöglicht die Priorisierung von Funktionen nach ihrem tatsächlichen Einfluss.
Ein schweizerisches Finanzinstitut führte monatliche „Nutzerforen“ ein, in denen Mitarbeitende über konkrete Anwendungsfälle des CRM-Tools diskutieren. Das direkte Feedback führte dazu, dass zwei veraltete Module entfernt und drei weitere vereinfacht wurden.
Durch diesen Mechanismus werden Entwicklungsprioritäten von denen validiert, die das Produkt täglich nutzen, wodurch Verschwendungsrisiken minimiert werden.
Funktionstests basierend auf konkreten Szenarien
Bevor die vollständige Entwicklung beginnt, empfiehlt es sich, funktionale Prototypen zu erstellen und in konkreten Anwendungsfällen zu testen. Diese Sessions zeigen schnell, ob der Wertbeitrag ausreichend ist.
In einem schweizerischen Dienstleistungsunternehmen führte das Produktteam „Trockenübungen“-Workshops ein: Jede neue Funktion wurde in einem End-to-End-Szenario mit einer Nutzergruppe validiert. Die Iterationen ermöglichten eine Anpassung des Umfangs vor jedem Code-Schreiben.
Dieser Prozess verkürzte die Entwicklungszeit um 30 % und stellte sicher, dass 100 % der ausgelieferten Funktionen unter realen Bedingungen genutzt werden.
Invalidierungsmethoden und Funktionsausphasierung
Es ist entscheidend, klare Erfolgskriterien (Nutzungsrate, Zufriedenheit, KPI-Einfluss) zu definieren und einen Prozess zur Ausphasierung unterperformanter Funktionen einzurichten.
Ein großes Schweizer Handelsunternehmen implementierte ein Dashboard zur Nutzungsverfolgung. Jede Funktion mit weniger als 5 % monatlichem Engagement wurde überprüft und konnte nach zwei Quartalen ohne Verbesserungen deaktiviert werden.
Diese „Feature-Retirement“-Disziplin gab Ressourcen für neue strategische Prioritäten frei und verschlankte die funktionale Basis.
Produktgovernance und Funktionspriorisierung
Klare Governance und ein strukturierter Entscheidungsrahmen stellen sicher, dass jede Funktion durch messbare Ziele gerechtfertigt ist. Der Übergang von einer Projektlogik zu einer Produktlogik fördert Agilität und Nachhaltigkeit.
Validierungsrahmen und Erfolgskriterien
Ein Template für Funktionsanforderungen zu definieren, das Ziele, Schlüsselkriterien und Erfolgsschwellen enthält, ist unverzichtbar. Jeder Vorschlag muss seinen Wert nachweisen, bevor er validiert wird.
Eine schweizerische öffentliche Einrichtung richtete einen Lenkungsausschuss für Produkte ein, der Anfragen nach drei Kriterien prüft: Nutzereinfluss, Kostenrelevanz und strategische Ausrichtung. Nicht konforme Anfragen werden überarbeitet oder abgelehnt.
Dieser Rahmen ermöglichte eine Reduzierung des Backlog-Volumens um 40 % und beschleunigte den Validierungsprozess.
Übergreifende Governance und Stakeholder-Alignment
Die Produktgovernance sollte IT-Leiter, Fachabteilungen und Nutzervertreter zusammenbringen, um eine gemeinsame Vision zu gewährleisten. Regelmäßige Rituale ermöglichen die Neubewertung von Prioritäten und die Anpassung der Roadmap.
In einem Schweizer Dienstleistungsunternehmen beginnt jeder Sprint mit einem „Alignment Meeting“, das Sponsor:innen, IT-Projektleiter und Key User zusammenbringt. Diese Praxis stellt sicher, dass Entwicklungen den fachlichen Bedürfnissen entsprechen und Abweichungen vermieden werden.
Offene Entscheidungsprozesse und Transparenz stärken die Akzeptanz und optimieren den gelieferten Wert.
Übergang von Projekt- zu Produktlogik
Die Projektlogik mit festen Meilensteinen neigt dazu, vollständige Umfangslieferungen zu fördern, ohne den Wert kontinuierlich zu messen. Die Produktlogik setzt auf schnelles Lernen, Iteration und permanente Validierung.
Ein Schweizer Industrieunternehmen restrukturierte seine Organisation in autonome „Produktteams“, die für den kompletten Lebenszyklus ihres Moduls verantwortlich sind. Jedes Team bearbeitet ein nach Nutzereinfluss priorisiertes Backlog und passt seine Lieferungen kontinuierlich an.
Durch diesen Ansatz konnte das Unternehmen die Time-to-Market um 25 % verkürzen und die Zufriedenheit der internen Nutzer steigern.
Optimieren Sie Ihre Auslieferung, um den Nutzerwert zu maximieren
Die Bündelung der Nutzerstimme, eine strukturierte Produktgovernance und die Validierung jeder Funktion anhand konkreter Kriterien reduzieren Verschwendung erheblich. Funktionsausphasierungsprozesse und der Übergang zur Produktlogik stellen sicher, dass die Roadmap stets an den fachlichen Prioritäten ausgerichtet ist.
Egal ob Sie IT-Leiter, CTO, Projektmanager oder Geschäftsleitung sind – unsere Expert:innen stehen Ihnen zur Seite, um Best Practices zu entwickeln und umzusetzen, die Ihre Auslieferung optimieren und Ihre Bemühungen auf die Wertschöpfung konzentrieren.
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