Zusammenfassung – Vor jedem Digitalisierungs-, Automatisierungs- oder Individualentwicklungsprojekt ist eine as-is-Geschäftsprozess-Mapping unverzichtbar, um Duplikate, redundante Freigaben und andere Störungen zu vermeiden, die Workflows belasten und Zusatzkosten verursachen. Mithilfe von Workshops, Interviews und geeigneten Diagrammen werden reale Abläufe, Beteiligte und Ausnahmen erfasst, um ein optimiertes to-be, ein umfassendes Pflichtenheft und eine Roadmap zur Priorisierung wertschöpfender Automatisierungen zu definieren.
Lösung: Starten Sie ein detailliertes Prozessaudit, um zwischen Standardlösung und individuellem Modul zu wählen, Kostenschätzungen abzusichern, Änderungsrisiken zu minimieren und ROI sowie Time-to-Market zu sichern.
Vor jedem Digitalisierungs-, Automatisierungs- oder Entwicklungsvorhaben für individuelle Unternehmenssoftware ist es unerlässlich, präzise zu visualisieren, wie Ihr Unternehmen tatsächlich funktioniert. Das Geschäftsprozess-Mapping stellt jeden Schritt, jede beteiligte Person, jede Freigabe und jede Ausnahme vom Ausgangspunkt bis zum Endergebnis dar. Diese Analyse zielt nicht nur darauf ab, ein Ideal-Organigramm zu erstellen, sondern die operative Realität abzubilden, die oft von den offiziellen Abläufen abweicht. Ohne dieses detaillierte Verständnis läuft jede digitale Lösung Gefahr, bestehende Fehlfunktionen zu verfestigen, Aufgaben zu verkomplizieren und später zusätzliche Kosten zu verursachen.
Das Konzept des Geschäftsprozess-Mappings verstehen
Geschäftsprozess-Mapping bedeutet, den Ablauf einer Aktivität von ihrem Auslöser bis zum Abschluss visuell darzustellen. Es zeigt alle Beteiligten, Systeme, Dokumente, Entscheidungen und tatsächlichen Reibungspunkte – nicht nur die theoretischen Abläufe.
Definition und Umfang
Das Geschäftsprozess-Mapping entfaltet sich als detailliertes Schema, das jede Aufgabe mit einer verantwortlichen Person oder einem System verknüpft. Es deckt sowohl wiederkehrende Abläufe als auch Ausnahmefälle ab, inklusive Zeitfristen, manueller Freigaben und Datenaustausch.
Das Ziel besteht darin, nicht nur den idealen Ablauf, sondern den tatsächlichen Weg der Mitarbeitenden abzubilden. Dabei werden inoffizielle Abkürzungen, parallele Tabellenkalkulationen und nicht dokumentierte Austauschwege sichtbar.
Ein solches Dokument dient als gemeinsame Diskussionsgrundlage für Geschäftsführung, Fachbereiche und die IT-Abteilung. Es wird zu einem echten Entscheidungsinstrument, um zu erkennen, wo Vereinfachungs- oder Automatisierungsaufwand am sinnvollsten ist, und um ein detailliertes Lastenheft zu erstellen.
Statt einer rein akademischen Übung stellt das Mapping einen strategischen Hebel dar, um klar festzulegen, wer was mit welchen Informationen und in welcher Reihenfolge ausführt.
Offizieller versus tatsächlicher Prozess
In vielen Unternehmen weichen dokumentierte Verfahren von der Praxis ab. Mitarbeitende passen sich den Gegebenheiten an, umgehen Systeme oder entwickeln Ad-hoc-Lösungen, um Zeit zu sparen.
Solche Abweichungen bergen Risiken: inkonsistente Daten, doppelte Informationen, Abhängigkeit von implizitem Wissen. Ohne Visualisierung dieser Lücken reproduziert eine Digitalisierung nur das bestehende Chaos in digitaler Form.
Das Mapping muss daher auf Vor-Ort-Beobachtungen, Interviews und Workshops mit den Endanwendern basieren. Nur eine empirische Herangehensweise deckt die wahren Abläufe und versteckte Auslöser auf.
Durch die Dokumentation dieser Unterschiede schafft man eine solide Basis für die Transformation und eliminiert die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis.
Haupttypen von Darstellungsformen
Zur Modellierung von Geschäftsprozessen existieren verschiedene Notationen. Ein einfaches Flussdiagramm eignet sich für Basisabläufe, während ein Swimlane-Diagramm Verantwortlichkeiten klar nach Beteiligten oder Abteilungen trennt.
Für komplexere Prozesse ermöglicht BPMN die Beschreibung von Ereignissen, Gateways und Unterprozessen. Datenflussdiagramme (DFD) veranschaulichen den Datenaustausch zwischen Systemen.
Value-Stream-Mapping fokussiert auf Verschwendung und Wertverluste und ist ideal, um Produktionsketten oder administrative Abläufe zu optimieren. Mindmaps oder narrative Diagramme bieten eine freiere Sicht auf die Interaktionen.
Die Wahl der Notation richtet sich stets nach dem Ziel: Rollen klären, Datenflüsse analysieren oder Reibungspunkte aufdecken.
Beispiel eines industriellen KMU
Ein Hersteller technischer Ausrüstung tauschte sich zur Freigabe von Fertigungsaufträgen ständig per E-Mail aus. Der offizielle Ablauf lief über ein ERP-System, doch parallel nutzte das Team eine Tabellenkalkulation, um Änderungen nachzuverfolgen.
Das „as-is“-Mapping zeigte sechs redundante manuelle Freigaben und drei getrennt abgelegte Dokumentversionen. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, die reale Praxis zu erfassen, bevor man ein ERP austauscht oder ein spezifisches Modul entwickelt.
Die Visualisierung führte zur Streichung zweier überflüssiger Schritte und zur Harmonisierung des Dokumentenflusses. So ließ sich die Freigabezeit um 40 % reduzieren, ohne das bestehende System zu verändern.
Dieser Fall zeigt, wie das Mapping verborgene Abläufe aufdeckt und den Weg für eine gezielte Digitalisierung ebnet.
Warum Prozess-Mapping vor jedem Digitalisierungsprojekt entscheidend ist
Ohne präzise Kenntnis der bestehenden Abläufe läuft jedes Digitalisierungsprojekt Gefahr, manuelle Ineffizienzen zu verfestigen oder zu verschärfen. Ein Tabellen-Excel einfach durch Software zu ersetzen, ohne vorherige Analyse, bedeutet, ein bestehendes Durcheinander in eine digitale, teurere und starre Version zu übertragen.
Doppelte Arbeit und Fehler reproduzieren
Wenn man einen Workflow modernisiert, ohne ihn vorher zu diagnostizieren, werden alle manuellen Abkürzungen übernommen: redundante Eingaben, mehrfach erforderliche Freigaben und inoffizielle Bearbeitungsschleifen.
Ein bloßer Transfer eines Excel-Prozesses in eine maßgeschneiderte Anwendung kann Endlosschleifen erzeugen, wenn man Dubletten und manuelle Kalkulationen nicht im Vorfeld bereinigt.
Das Mapping macht diese Reibungspunkte sichtbar und bietet Ansatzpunkte, um solche Schritte vor einer Automatisierung zu vereinfachen oder zu eliminieren.
So vermeidet man, ein System zu schaffen, das ebenso schwerfällig ist wie das papiergestützte Verfahren, das es ersetzen soll.
Unzureichende Abdeckung der Nutzerbedürfnisse
Ein Lastenheft, das ohne Prozesskarte erstellt wurde, bleibt oft ungenau oder unvollständig. Fehlende Anwendungsfälle und implizite Regeln tauchen nicht auf, sodass es Missverständnisse mit dem Implementierungspartner gibt.
Das Ergebnis ist eine Software, die nur Teilbedürfnisse abdeckt, Umgehungslösungen provoziert und den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden belastet.
Mit einer Prozesskarte lassen sich alle Szenarien detailliert erfassen, funktionale Anforderungen, User Stories und Akzeptanzkriterien klar formulieren.
Sie dient als Referenz, um sicherzustellen, dass die Software die tatsächlichen Anforderungen erfüllt.
Auswirkungen auf Aufwandsschätzung und Projektrisiko
Für einen Softwareanbieter basiert die Abschätzung des Entwicklungsaufwands auf einem klaren Funktionsumfang und der Kenntnis aller Ausnahmefälle. Fehlen diese Grundlagen, werden Schätzungen ungenau, mit Budgetüberschreitungen und Zeitverzögerungen als Folge.
Eine detaillierte Prozesskarte ermöglicht es, Sonderfälle zu antizipieren, notwendige Schnittstellen zu identifizieren und Freigaben in jeder Phase zu planen.
Durch die Verringerung der Anfangsinformationsrisiken sinken Change-Requests, Kosten plafonnieren sich und der Time-to-Market wird abgesichert.
Das ist eine Investition, die das Unternehmen vor bösen Überraschungen im Projektverlauf schützt.
Edana: Strategischer Digitalpartner in der Schweiz
Wir begleiten Unternehmen und Organisationen bei ihrer digitalen Transformation.
Strategische Vorteile des Geschäftsprozess-Mappings
Das Mapping schafft Transparenz, deckt Ineffizienzen auf, minimiert Risiken und fördert die Abstimmung aller Beteiligten. Es hilft zudem, Interventionen zu priorisieren, um den Nutzen vor Digitalisierungs- oder Automatisierungsmaßnahmen zu maximieren.
Klärung von Verantwortlichkeiten
Ein visuelles Schema macht jede Rolle eindeutig: Wer initiiert die Aufgabe, wer gibt frei, wer archiviert und wer verfolgt das Ergebnis.
Diese Transparenz verhindert Missverständnisse und blinde Flecken, die zu Verzögerungen und wiederholtem Nachhaken per E-Mail oder Chat führen.
Mit einer RACI-Matrix lassen sich Zuständigkeiten überlagern und Engagements der Beteiligten formalisieren.
Am Ende dieser Phase ist die Prozessgovernance stabiler und Verantwortlichkeiten messbar delegiert.
Aufspüren und Eliminieren von Ineffizienzen
Die Analyse eines „as-is“-Ablaufs offenbart redundante Aufgaben, überflüssige Freigaben und mehrfache Dateneingaben.
Man erkennt Abhängigkeiten von Schlüsselpersonen, versteckte Wartezeiten zwischen Übergaben und Risiken des Datenverlusts.
Auf dieser Grundlage lassen sich Aufgaben mit geringem Mehrwert automatisieren sowie Schritte streichen oder zusammenführen.
Diese Vorbereitung bringt noch vor Beginn der Softwareentwicklung spürbare Produktivitätsgewinne.
Abstimmung und Priorisierung
Die Prozesskarte wird zur gemeinsamen Sprache von Geschäftsführung, IT-Abteilung, Fachverantwortlichen und externen Partnern.
Diskussionen basieren auf einem gemeinsamen Bild, Fehlerquellen werden reduziert und Entscheidungen beschleunigt.
Im nächsten Schritt priorisiert man: Manche Schritte werden komplett gestrichen, andere vereinfacht, nur Schlüsselbereiche warrantieren eine Automatisierung.
Diese Priorisierung sichert einen schnellen ROI und verhindert die Digitalisierung von Tätigkeiten, die keinen strategischen Mehrwert liefern.
Beispiel eines mittelständischen Logistikunternehmens
Ein KMU im Pharma-Logistikbereich konsolidierte Lieferscheine manuell in mehreren regionalen ERP-Systemen. Der offizielle Ablauf sah drei Prüfungen vor, doch die Mitarbeitenden führten de facto nur eine einzige durch.
Das Mapping deckte vier inoffizielle E-Mail-Runden auf und den Einsatz gemeinsamer Dateien, um Daten vor der Integration zu korrigieren.
Nach Eliminierung der Dubletten und teilweiser Automatisierung sank die Bearbeitungsdauer von zwei Stunden auf zwanzig Minuten pro Sendung.
Dieser Fall zeigt, wie eine präzise Prozesskarte einen schwerfälligen Ablauf in eine reibungslose und verlässliche Routine verwandelt.
Achtschritt-Methode für effizientes Mapping
Ein strukturiertes Vorgehen in acht Phasen gewährleistet ein umfassendes und praxisorientiertes Mapping – vom Initialumfang bis zu den funktionalen Anforderungen. Jede Phase bereitet das Unternehmen darauf vor, fundiert zu entscheiden, ob ein Standardwerkzeug ausreicht oder eine individuelle Softwarelösung erforderlich ist.
1. Umfang festlegen und Stakeholder identifizieren
Definieren Sie den Prozess: Grenzen, Ziele und zu lösende Probleme. Legen Sie fest, wo der Ablauf beginnt und endet.
Erfassen Sie alle Beteiligten: Anwender vor Ort, Fachverantwortliche, IT-Abteilung, Geschäftsführung und externe Partner. Jede Rolle liefert wertvolle Perspektiven.
Diese Abstimmung im Vorfeld sichert die Teilnahme an Workshops und stellt die Verfügbarkeit der richtigen Kompetenzen sicher.
Eine klare Abgrenzung verhindert, dass der Umfang zu groß wird und das Mapping zu diffundiert.
2. Informationen sammeln
Nutzen Sie verschiedene Quellen: Interviews, Kick-off-Workshops, Beobachtungen vor Ort und vorhandene Dokumente (Verfahrensanweisungen, Systemexporte, Praxisfälle).
Dokumentieren Sie Abweichungen zwischen Theorie und Praxis: Workarounds, parallele Tools und nicht formalisierten impliziten Regeln.
Diese explorative Phase füllt alle Knotenpunkte des Schemas und antizipiert Ausnahmen.
Die gesammelten Daten bilden die Grundlage einer “as-is”-Karte, die der Realität entspricht.
3. Aktuellen Zustand (as-is) zeichnen, validieren und analysieren
Formalisieren Sie den tatsächlich gelebten Prozess mit der gewählten Notation. Integrieren Sie Datenflüsse, Freigaben und Ausnahmefälle.
Führen Sie einen Validierungsworkshop mit den Projektbeteiligten durch, um Fehler zu korrigieren und Übergänge zu verfeinern.
Ziel ist ein gemeinsames Dokument, auf das sich alle beziehen und das eine einheitliche Sicht auf den Prozess bietet.
Anschließend analysieren Sie jede Phase auf Risiken, Verzögerungen, Doppelarbeit und kritische Punkte.
4. Zielszenario (to-be) entwerfen und Anforderungen definieren
Basierend auf der Analyse entwickeln Sie ein Zielbild: vereinfacht, standardisiert und optimiert. Entscheiden Sie, welche Aufgaben automatisiert, welche Freigaben beibehalten oder überarbeitet werden.
Bewerten Sie, ob ein Standardtool genügt oder eine individuelle Entwicklung aufgrund spezieller Geschäftsregeln gerechtfertigt ist.
Formulieren Sie die funktionalen Anforderungen: User Stories, Akzeptanzkriterien, Rollenmatrix und Systemabhängigkeiten.
Dieses Ergebnis dient als Grundlage für das Lastenheft und den Entwicklungs-Backlog, um alle Bedürfnisse lückenlos abzudecken.
Beispiel eines Schweizer Gesundheitsbetriebs
Ein mittelgroßes medizinisches Zentrum nutzte parallel ein Standard-ERP und Excel-Dateien zur Bestandsverwaltung von Verbrauchsmaterialien. Ziel war die Entwicklung eines maßgeschneiderten Moduls im ERP.
Das Mapping zeigte, dass weniger die Lagerverwaltung komplex war, sondern vielmehr die Freigaberegeln für dringende Bestellungen und Ausnahmen bei bestimmten Fachbereichen.
Nach Prozessvereinfachung und Integration eines vorhandenen Konnektors konnte das Zentrum ein standardisiertes Modul aufbauen, ohne eine komplett neue Lösung zu entwickeln.
Dieser Fall verdeutlicht, wie das Mapping die richtige Wahl zwischen Standard- und Individualsoftware ermöglicht und unnötige Entwicklungen vermeidet.
Optimieren Sie jedes Digitalprojekt mit Geschäftsprozess-Mapping
Geschäftsprozess-Mapping ist kein bloßes Dokument, sondern ein strategisches Steuerungsinstrument. Es schafft Transparenz, deckt Ineffizienzen auf, minimiert Risiken und erleichtert die Abstimmung zwischen Fachbereichen, IT-Abteilung und Dienstleistern. Durch die Strukturierung des „as-is“, die Definition des „to-be“ und die Übersetzung in präzise Anforderungen gewährleistet es eine agilere und effektivere Digitalisierung.
In KMU und mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 200 Mitarbeitenden, in denen Arbeitsweisen häufig unausgesprochen sind, legt diese Vorgehensweise eine solide Basis dafür, zu entscheiden, ob individuelle Software nötig ist oder ein Standardprodukt ausreicht. Unsere Experten für Geschäftsanalyse und hybride Anwendungsentwicklung begleiten Sie gerne in dieser entscheidenden Phase Ihrer digitalen Transformation.
Besprechen Sie Ihre Herausforderungen mit einem Edana-Experten







Ansichten: 3









