Zusammenfassung – Eine nicht industrialisierte Zugriffskontrolle vervielfacht Kosten, Verzögerungen und Schwachstellen, erschöpft den Support und schwächt das Audit. RBAC standardisiert Berechtigungen, indem es Ressourcen und Aktionen definiert, einen gemeinsamen Sockel sowie prozessnahe Fachrollen bildet, dabei Rollenflut begrenzt und temporäre Zugriffe regelt. In Verbindung mit einem IAM, das Provisioning, Deprovisioning und kontextuelle Regeln automatisiert, gewährleistet es Wartbarkeit, Agilität und Compliance.
Lösung: fachliche Abgrenzung → Kartierung → Basis- und spezifische Rollen → IAM-Automatisierung.
Mit dem Wachstum des Unternehmens wird eine feingliedrige Zugriffsverwaltung schnell zum Kopfzerbrechen: Zugriffskontrolllisten (ACL) vervielfachen sich, Ausnahmen häufen sich und jede neue Mitarbeiterin bzw. jeder neue Mitarbeiter bedeutet zusätzlichen Arbeitsaufwand und ein erhöhtes Fehlerrisiko. Über die reine Sicherheitsfrage hinaus geht es in erster Linie darum, die Rechte zu industrialisieren, um Kosten, Zeitaufwand und Verwundbarkeiten zu begrenzen.
Das Role-Based Access Control (RBAC) bietet eine strukturierte Antwort: Man definiert Berechtigungen für Ressourcen, fasst sie zu fachlichen Rollen zusammen und ordnet diese Rollen den Mitarbeitenden zu. Dieser Ansatz gewährleistet einen vorhersehbaren, prüfbaren und wartbaren Zugriff – für ein agiles und norm- sowie betriebsanforderungskonformes IT-System.
Zugriffsverwaltung mit RBAC industrialisieren
Zugriffskontrolllisten, die auf individuellen Berechtigungen beruhen, stoßen an ihre Grenzen, sobald die Organisation wächst. RBAC begegnet dieser Herausforderung, indem es Rechte nach klar definierten Funktionen standardisiert.
Die Grenzen der ACL im großen Maßstab
Wenn jedem Nutzer Einzelfallberechtigungen zugewiesen werden, wächst die Anzahl der zu pflegenden Regeln exponentiell. Bei der Einstellung einer neuen Fachkraft muss jede Anwendung, jeder Ordner und jedes Modul überprüft werden, um die erforderlichen Zugriffe festzulegen. Dieser Vorgang wird schnell zeitaufwendig und fehleranfällig.
Gleichzeitig bleiben beim Ausscheiden von Mitarbeitenden oft aktive Zugänge bestehen. Ohne einen automatischen Entzugsprozess häufen sich inaktive Konten, die als Einfallstor für Sicherheitslücken und übermäßige Berechtigungen dienen. Die Supportteams werden von Tickets überschwemmt, um diese Abweichungen zu korrigieren und Änderungsanfragen zu bearbeiten.
Schließlich führt das Fehlen einer strukturierten Vorgehensweise zu einem Zusammenbruch der Nachvollziehbarkeit. Es ist unmöglich nachzuvollziehen, wer welche Rechte erhalten hat, warum und wie. Das Unternehmen setzt sich Sicherheitsvorfällen und Nichtkonformitäten bei behördlichen Audits aus, mit hohen Folgekosten für die Behebung.
RBAC: Ein Hebel zur Industrialisierung
Das zugrunde liegende Prinzip von RBAC ist einfach: Zuerst definiert man Ressourcen (Anwendungen, Datenbanken, Module) und Aktionen (Lesen, Schreiben, Freigeben, Verwalten). Dann erstellt man fachliche Rollen, die diese Berechtigungen entsprechend stabiler Funktionen zusammenfassen – etwa Finance, Personal, Support, Administration usw. Abschließend weist man diese Rollen den Nutzerinnen und Nutzern zu.
Auf diese Weise wird die Rechteverwaltung zu einem wiederholbaren Prozess. Anstatt Einzelzugriffe zu verwalten, steuert man Rollen: Die Einstellung oder das Ausscheiden eines Mitarbeitenden bedeutet lediglich, eine oder mehrere Rollen hinzuzufügen oder zu entziehen. Das Risiko von Fehlern verringert sich und die Pflege wird deutlich einfacher, da man nicht mehr an Hunderten verstreuter Regeln ansetzen muss.
RBAC ist damit mehr als ein rein technisches Thema; es ist eine Frage der Organisation. Die Implementierung erfordert ein fachliches Scoping, eine detaillierte Kartierung und eine Steuerung, doch einmal etabliert, bringt sie Geschwindigkeit, Transparenz und Prüfbarkeit in die Zugriffsgovernance.
Schweizer Praxisbeispiel: Ein industrielles KMU auf der Suche nach Einfachheit
Ein Schweizer Maschinenbau-KMU mit 80 Mitarbeitenden verwaltete seine Zugriffe ursprünglich über manuell gepflegte ACL durch das IT-Team. Jede neue Zugriffsanfrage wurde einzeln bearbeitet, was zu mehrtägigen Wartezeiten und einer Fülle nicht dokumentierter Ausnahmen führte.
Mit der Umstellung auf ein RBAC-Modell definierte man zehn Rollen, die den wichtigsten Prozessen entsprechen – Produktion, Instandhaltung, Qualität, Einkauf, Verwaltung. Jeder Rolle wurden vordefinierte Berechtigungen für das ERP, das Netzlaufwerk und die Reporting-Tools zugewiesen.
Diese Maßnahme reduzierte die Anzahl der zugriffsbezogenen Tickets innerhalb von zwei Monaten um 70 % und machte das Onboarding deutlich reibungsloser. Das Beispiel zeigt, dass eine durchdachte RBAC-Struktur die IT-Belastung spürbar senkt und die operative Compliance stärkt.
Ein nachhaltiges RBAC-Modell entwerfen
Eine fundierte Konzeption beginnt bei den Ressourcen und Geschäftsprozessen. Die Definition konsistenter Rollen verhindert eine Berechtigungsexplosion.
Ressourcen und Aktionen kartografieren
Im ersten Schritt werden alle Ressourcen, die einer Zugriffsverwaltung bedürfen, erfasst: Anwendungen, Module, Freigabeordner, Testumgebungen und sensible Daten. Jede Ressource sollte eindeutig benannt und beschrieben werden, um Grauzonen zu vermeiden.
Für jede Ressource müssen die möglichen Geschäftsaktionen aufgelistet werden: Lesen, Erstellen, Ändern, Löschen, Freigeben, Exportieren, Verwalten. Diese Granularität ermöglicht es zu unterscheiden, welche Rechte für eine bestimmte Rolle wirklich notwendig sind und welche nur „Komfortrechte“ darstellen.
Die Kartierung führt zu einem gemeinsamen Referenzrahmen, der als Grundlage für den Rollenaufbau dient. Sie erleichtert zudem Audit und Nachvollziehbarkeit, indem sie alle im IT-System existierenden Ressource-Aktion-Kombinationen explizit macht.
Rollen an Geschäftsprozessen ausrichten
Sobald Ressourcen und Aktionen definiert sind, identifiziert man die zentralen Geschäftsprozesse (Rechnungserstellung, Zahlungsfreigabe, Vertragsausfertigung, Auftragsverwaltung). Für jeden Prozess wird beschrieben, „wer was tut“, um tatsächliche Verantwortlichkeiten von Ausnahmefällen zu unterscheiden.
Diese Analyse zeigt, welche Berechtigungen für jede Rolle im Prozess zwingend erforderlich sind: Beispielsweise benötigt die Finanzabteilung Erstellungs- und Freigaberechte, während die Interne Revision nur Lese- und Exportrechte erhalten sollte. Das Vorgehen unterstützt die Umsetzung des Least-Privilege-Prinzips (PoLP).
Der prozessorientierte Ansatz garantiert die Konsistenz der Rollen. Er verhindert die Entstehung sinnentleerter Rollen, die willkürlich Rechte kombinieren, und reduziert künftige Ausnahmeanfragen.
Basis- und Spezialrollen strukturieren
Um die Anzahl der Rollen zu begrenzen, definiert man zunächst einen Basissatz: Zugriff auf E-Mails, Intranet und Kollaborationstools. Diese „Basisrolle“ gilt für alle Mitarbeitenden und deckt generische Zugriffe ab.
Anschließend erstellt man Rollen für Teams oder Abteilungen (Produktion, Personal, Marketing) und nach Verantwortungsstufen (Manager, Genehmigender, Prüfer, Administrator). Jede spezifische Rolle erweitert oder beschränkt die Berechtigungen im Vergleich zur Basisrolle, basierend auf den definierten Geschäftsprozessen.
Diese hierarchische, kontrollierte Struktur verhindert eine übermäßige Rollenvermehrung. Jede Rolle sollte mit einer kurzen Beschreibung der zugeordneten Rechte und den zugehörigen Geschäftsszenarien dokumentiert werden.
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RBAC-Fallen und Zugriffsgovernance
Eine unkontrollierte Rollen- und Ausnahmeflut verwandelt RBAC in einen bürokratischen Overhead. Temporäre Zugriffe bergen ein Risiko, wenn sie nicht klar geregelt sind.
Rollenflut eindämmen
Eines der häufigsten Probleme ist das Anlegen von „Mikrorollen“ für jede besondere Anfrage. Langfristig führt das zu Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Rollen, deren Pflege unüberschaubar wird.
Um dieser Entwicklung vorzubeugen, sollte man breite, wiederverwendbare Rollen bevorzugen anstelle allzu feiner Varianten. So lassen sich die meisten Mitarbeitenden auf eine begrenzte Zahl an Rollen konzentrieren, die allen bekannt sind.
Durch die Begrenzung der Rollenanzahl erleichtert man zudem das Rollen-Hierarchy und die Dokumentation. Eine Gruppe mit zehn Abteilungen und zehn Rollenversionen kann schnell über hundert Gruppen hervorbringen, wenn keine Governance existiert. Erfahren Sie mehr über die IT-Wachstumsstruktur durch digitale Transformation.
Rollen dokumentieren und klassifizieren
Jede Rolle sollte in einem Datenblatt festgehalten werden, das beschreibt, was sie ermöglicht und was sie einschränkt. Diese Dokumentation hilft den Verantwortlichen bei der Zuweisung und dient als Grundlage für interne Audits.
Die Klassifizierung kann Attribute wie Kritikalitätsstufe (Standard, sensibel, Admin) und Nutzungsfrequenz umfassen. Sensible Rollen unterliegen häufigeren Überprüfungen und einer systematischen Managementgenehmigung.
Ein gut gepflegtes Rollenverzeichnis reduziert Ad-hoc-Anfragen und klärt die Grenze zwischen normalen Zugriffsrechten und Ausnahmen. Die IT-Teams gewinnen an Schnelligkeit und Servicequalität.
Temporäre Zugriffe verwalten
Während Vertretungen, Spitzenlasten oder Zwischenfällen benötigen Mitarbeitende manchmal vorübergehend höhere Rechte. Ein mächtiges Rollenkonto ohne zeitliche Begrenzung ist jedoch eine Einladung zu übermäßigen Berechtigungen.
Um dieses Risiko zu verringern, erstellt man temporäre Rollen mit automatischem Ablaufdatum. Ergänzend sollte jede temporäre Anfrage durch einen Manager-Approval-Workflow genehmigt werden.
Es empfiehlt sich zudem, wöchentliche oder monatliche Überprüfungen hoch privilegierter Zugriffe einzuplanen, um sicherzustellen, dass alle vergebenen Rollen weiterhin gerechtfertigt sind. Diese Disziplin stellt sicher, dass RBAC ein lebendiges, an die operative Realität angepasstes Modell bleibt.
RBAC automatisieren und ergänzen für mehr Agilität
Eine zuverlässige Identity-&-Access-Management-Lösung (IAM) ist unerlässlich, um Provisioning und Deprovisioning fehlerfrei durchzuführen. RBAC lässt sich mit kontextbasierten Richtlinien ergänzen, um mehr Flexibilität zu schaffen.
Ein HR-Repository und IAM-Workflows integrieren
Die Grundlage jedes automatisierten RBAC-Systems ist ein verlässliches HR-Repository. Es zentralisiert Informationen über Mitarbeitende, ihre Abteilungen, Positionen und Status (aktiv, in Mobilität, austretend).
Das IAM übernimmt dann das Provisioning bei Einstellungen und den Entzug bei Austritten – ohne manuelles Zutun. Interne Veränderungsprozesse (Positionswechsel, Projektzuweisungen) werden über standardisierte Workflows gesteuert.
Diese Integration minimiert Fehler und Beschaffungszeiten für Zugriffe. Sie stärkt die Rechtegovernance und bringt das IT-System in Einklang mit der tatsächlichen Unternehmensstruktur.
Provisioning, Deprovisioning und regelmäßige Überprüfungen
Ein leistungsfähiges IAM-System orchestriert Provisioning- und Deprovisioning-Aufgaben basierend auf HR-Ereignissen. Bei jeder Änderung im Payroll-ERP oder im HRIS passt das IAM die zugewiesenen Rollen automatisch an.
Um die Compliance sicherzustellen, sollten Audit- und Überprüfungsprozesse periodisch durchgeführt werden. Automatisierte Berichte listen Nutzer mit sensiblen Rollen, inaktive Konten und abgelaufene temporäre Zugriffe auf.
Beispielsweise implementierte eine Bank mit 200 Mitarbeitenden monatliche automatische Überprüfungen. Dies reduzierte die bei internen Audits entdeckten veralteten Zugriffe um 90 % und demonstrierte die Wirksamkeit eines stringenten Konzepts.
Wann RBAC mit kontextbasierten Regeln kombinieren
RBAC bildet eine stabile Basis, ideal für Organisationen mit klar definierten Funktionen und Audit-Anforderungen. Allerdings fehlt ihm mitunter die Flexibilität für hochgradig kontextabhängige Zugriffe – etwa nach Uhrzeit, Gerät oder Standort.
In solchen Szenarien kombiniert man kontextbasierte Richtlinien (zeitbasiert, gerätebasiert usw.) mit dem RBAC-Modell. Die Rolle definiert die Grundrechte, während situativ angepasste Zugriffsbedingungen den Umfang verfeinern.
Dieser hybride Ansatz verbindet Einfachheit mit Flexibilität. Er erfüllt anspruchsvollste Geschäftsanforderungen, ohne die Vorhersagbarkeit und Wartbarkeit des RBAC-Modells zu gefährden.
Ihre Zugriffe strukturieren, um Ihr IT-System zu sichern und zu industrialisieren
RBAC ist in erster Linie ein Organisations- und Governance-Projekt. Ein klar definierter Referenzrahmen, eine gründliche fachliche Konzeption und Automatisierung durch eine verlässliche IAM-Lösung sind die Schlüssel zu einer nachhaltigen Umsetzung. Mit kontrollierter Rolleninflation, geregelten temporären Zugängen und der Kombination aus RBAC und kontextbasierten Richtlinien erhalten Sie ein vorhersehbares, prüfbares und agiles System.
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