Zusammenfassung – Die Baubranche leidet unter Informationssilos und fragmentierten Prozessen, was zu Verzögerungen, Inkonsistenzen und Mehrkosten führt. BIM verwandelt das 3D-Modell in eine geteilte Dateninfrastruktur, integriert zeitliche, finanzielle, ökologische und regulatorische Dimensionen und ermöglicht bereichsübergreifende Zusammenarbeit, Interoperabilität über offene Standards und prädiktive Simulationen zur Vorhersage von Leistung und Nachhaltigkeit. Lösung: Ein strukturiertes BIM-Programm mit klarer Governance, phasenweiser Roadmap und modularen Technologien ohne Vendor-Lock-in starten.
Building Information Modeling revolutioniert den Bau, indem es Daten in jeder Phase des Lebenszyklus in den Mittelpunkt stellt. Weit mehr als nur ein 3D-Modell wird BIM zu einer gemeinsamen, strukturierten und fortlaufend aktualisierten digitalen Infrastruktur. Es verändert grundlegend, wie Organisationen ihre Anlagen entwerfen, genehmigen, errichten, betreiben und steuern, indem alle Beteiligten auf eine einzige verlässliche Datenquelle zugreifen. Dieser Artikel beleuchtet die strategischen Herausforderungen von BIM, veranschaulicht seine Vorteile anhand von Schweizer Beispielen und liefert die Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige, strukturierte Umsetzung.
Vom 3D-Modell zur Dateninfrastruktur
BIM erweitert das Modellverständnis über reine Geometrie hinaus und integriert reichhaltige, miteinander verknüpfte Informationen. Diese multidimensionalen Daten bilden die Grundlage für alle Entscheidungsprozesse.
Über 3D hinaus: multidimensionale Daten
In einem ausgereiften BIM-Projekt beschränkt sich das digitale Modell nicht mehr auf Formen und Volumen. Es enthält zeitliche, finanzielle, energetische, ökologische und regulatorische Daten.
Diese zusätzlichen Dimensionen ermöglichen es, Fehler bereits vor der Bauphase zu erkennen und zu korrigieren, Kosten- und Dauerszenarien zu simulieren und die Nachhaltigkeitsperformance von Infrastrukturprojekten zu optimieren.
Ein solcher Ansatz fördert die Transparenz zwischen den Abteilungen, erhöht die Verlässlichkeit von Prognosen und erleichtert die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, während er gleichzeitig eine kontinuierliche Wissenskontrolle sicherstellt.
Integration von Geschäftsprozessen und Stakeholdern
BIM erfordert eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit von Planung, Ingenieurwesen, Verwaltung und Betrieb. Alle Informationen fließen in ein gemeinsames Repository, das Kohärenz und Reaktionsfähigkeit garantiert und es ermöglicht, Geschäftsprozesse zu automatisieren.
Architekten, Planungsbüros, Genehmigungsbehörden und Betreiber nutzen dieselben Daten, wodurch Informationsverluste und Verzögerungen durch Dokumentenwechsel vermieden werden.
Diese enge Kooperation steigert die Qualität der Projektergebnisse und beschleunigt Genehmigungs-, Validierungs- und Inbetriebnahmeverfahren.
Beispiel für die Zusammenführung von Genehmigungsdaten
Ein Schweizer Kanton hat ein einheitliches BIM-Repository für seine drei klassischen Ämter – Baubewilligung, Liegenschaftsverwaltung und Raumplanung – eingeführt. Die Daten jedes Projekts werden von den Planungsbüros eingepflegt und stehen den Entscheidungsträgern in Echtzeit zur Verfügung, ohne mehrfache Erfassungen.
Diese Maßnahme zeigte, dass die Vereinheitlichung der Datenbestände die Bearbeitungsdauer von Baugesuchen um mehrere Wochen verkürzt und Inkonsistenzen zwischen Bauvorschriften und Denkmalschutzanforderungen deutlich reduziert.
Das so entstandene Datenmodell dient heute als Grundlage für abteilungsübergreifende Reporting-Tools und globale Impact-Analysen und unterstreicht die Entwicklung von BIM zur zentralen Infrastruktur.
Governance und Methodik: Säulen des Erfolgs
Der Erfolg eines BIM-Projekts beruht nicht allein auf Technologie, sondern auf klarer, gemeinsam getragener Governance. Definierte Regeln, Rollen und Standards sichern die Integrität und Interoperabilität der Daten.
Abstimmung der Akteure und gemeinsame Governance
Ein BIM-Methodenrahmen legt die Verantwortlichkeiten aller Beteiligten fest. Er definiert, wer welche Informationen erstellt, validiert und aktualisiert – zu jedem Zeitpunkt des Projekts.
BIM-Charta-Dokumente formalisieren Workflows, erwartete Ergebnisse und Namenskonventionen und sorgen so für eine gemeinsame Terminologie.
Diese organisatorische Abstimmung minimiert Konflikte, beschleunigt Entscheidungsprozesse und schafft eine kollektive Datenverantwortung.
Offene Standards und Interoperabilität
Um eine Herstellerbindung (Vendor Lock-in) zu vermeiden, ist der Einsatz offener Standards (IFC, BCF, COBie) unerlässlich. Sie ermöglichen einen reibungslosen Datenaustausch zwischen verschiedenen Tools und sichern die Langzeitnutzung der Modelle, Interoperabilität.
Ein modularer Ansatz auf Basis skalierbarer Open-Source-Komponenten erlaubt es, die BIM-Plattform bedarfsgerecht anzupassen, ohne an einzelne Anbieter gebunden zu sein.
So lässt sich schrittweise zusätzliche Funktionalität integrieren – etwa Liegenschaftsverwaltung, Energiesimulation oder vorausschauende Instandhaltung – entsprechend den sich ändernden Anforderungen.
Beispiel eines mittelständischen Tiefbauunternehmens
Ein Schweizer Unternehmen mittlerer Größe im Brücken- und Tiefbau richtete einen BIM-Ausschuss ein, der die IT-Leitung, Fachbereichsleiter und externe Dienstleister vereint. Dieser Ausschuss erarbeitete eine BIM-Charta, in der Austauschformate, Detailtiefe und Validierungsprozeduren festgelegt wurden.
Das Ergebnis: eine 20 %ige Beschleunigung der Entwurfsplanung, weniger Modellkonflikte und ein gestärktes Vertrauen der Bauherren dank verbesserter Nachverfolgbarkeit.
Diese Erfahrung zeigt, dass eine solide Governance BIM zu einer bereichsübergreifenden Transformationsinitiative macht – statt zu einem isolierten Projekt.
Edana: Strategischer Digitalpartner in der Schweiz
Wir begleiten Unternehmen und Organisationen bei ihrer digitalen Transformation.
Angereicherte Daten und Simulation über den gesamten Lebenszyklus
BIM nutzt die Fülle der Daten für Simulationen, Prognosen und Steuerung der Projekte. Die Performance lässt sich vor der physischen Umsetzung verifizieren.
Zeitliche, finanzielle und ökologische Daten
Jedes Element im digitalen Modell kann mit einer Lebensdauer, Betriebskosten und Energie- bzw. Umweltkennzahlen verknüpft werden.
So lassen sich Bau- und Betriebsvarianten vergleichen, Budgets optimieren und Nachhaltigkeits- sowie Compliance-Ziele bereits in der Machbarkeitsstudie einbeziehen.
Die Verbindung dieser Dimensionen schafft Transparenz für den Return on Investment und die Gesamtperformance über den gesamten Lebenszyklus der Anlagen.
Szenarien und prädiktive Analysen
Dank strukturierter Daten können Multikriterien-Simulationen durchgeführt werden: Auswirkungen von Terminänderungen, Energieverbrauchsoptimierung und vorausschauende Wartung.
Solche Tools reduzieren Risiken, verbessern die Entscheidungsgrundlagen und erhöhen die Resilienz der Infrastrukturen gegenüber klimatischen oder betrieblichen Unwägbarkeiten.
Sie verknüpfen Fachbereiche, Ingenieurwesen und Betrieb über eine gemeinsame Datenbasis und beschleunigen damit die Entwicklung zuverlässigerer und nachhaltigerer Anlagen.
Fahrplan und schrittweise Einführung
Eine effektive BIM-Einführung basiert auf einer ganzheitlichen Vision, unterteilt in menschliche, methodische und technologische Phasen. Jeder Schritt bereitet den nächsten vor und sichert eine kontrollierte Reifeentwicklung.
Definition einer Vision und Programmphasen
Der BIM-Fahrplan beginnt mit einer Analyse des Reifegrads und der strategischen Prioritäten: Genehmigung, Planung, Bau und Betrieb.
Anschließend werden für jede Phase klare Meilensteine, Leistungskennzahlen und abgenommene Deliverables definiert, um Fortschritt zu messen und kontinuierliche Anpassungen zu ermöglichen.
Diese Planung verhindert das Trugbild eines „Big Bang“ und fördert eine gestufte, kontrollierte Einführung, die mit den internen Kapazitäten im Einklang steht.
Schulung, Change Management und Kompetenzaufbau
Der Erfolg eines BIM-Programms hängt von der Begleitung der Teams durch zielgerichtete Schulungen, kollaborative Workshops und praxisnahe Arbeitsunterlagen ab. Ein Learning-Management-System (LMS) unterstützt das effektive Onboarding.
Interne BIM-Ansprechpartner verbreiten Best Practices und sorgen für die tägliche Einhaltung der Governance.
Zudem sollte das Change Management Erfahrungsrückmeldungen integrieren und eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse und Tools fördern.
Beispiel für eine BIM-Einführung im öffentlichen Personennahverkehr
Ein öffentliches Verkehrsunternehmen einer Schweizer Großstadt gliederte sein BIM-Programm in drei Phasen: Prototyping mit Pilotprojekt, Standardisierung der Workflows und Generalisierung auf alle Linien.
Die Pilotphase validierte Austauschformate und Governance-Charta und erzeugte einen digitalen Zwilling der Werkstatt, der anschließend zur Schulung von siebzig Mitarbeitenden genutzt wurde.
Dank dieser schrittweisen Einführung konnten die Instandhaltungskosten im ersten Jahr um 12 % gesenkt und die Betriebssicherheit erhöht werden.
Machen Sie BIM zu Ihrem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil
BIM ist nicht nur ein Werkzeug, sondern eine Governance-Infrastruktur, die Daten in den Mittelpunkt der Prozesse stellt. Sie schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Planung, Genehmigung, Betrieb und Instandhaltung, um Zuverlässigkeit und Langlebigkeit der Anlagen zu gewährleisten.
Um diese Transformation erfolgreich zu meistern, sollten Sie eine klare Governance etablieren, einen schrittweisen Fahrplan entwickeln und offene sowie modulare Technologien ohne Herstellerbindung einsetzen.
Unsere Edana-Experten stehen Ihnen zur Verfügung, um gemeinsam mit Ihnen Ihr BIM-Programm zu erstellen, passende Standards zu definieren und Ihre Teams über den gesamten Lebenszyklus Ihrer Infrastrukturen zu begleiten.
Besprechen Sie Ihre Herausforderungen mit einem Edana-Experten







Ansichten: 5