Zusammenfassung – Wiederkehrende Budgetüberschreitungen bei maßgeschneiderten ERP-, Business-Plattform- oder komplexen SaaS-Projekten resultieren aus zu unsicheren Erstschätzungen und gefährden Ihre CAPEX/OPEX-Entscheidungen, Zeitpläne und Vertragsverhandlungen. In 10 Schritten – von der genauen Definition der Ziele und des Projektumfangs über die Modellierung des Softwareumfangs bis zur Integration von Risiken – erarbeiten Sie eine transparente, zahlenbasierte Ausgangsschätzung auf Basis historischer Daten. Diese Schätzung wird in einen operativen Ausführungsplan überführt, begleitet von täglichem Monitoring und kontinuierlicher Wissenssicherung, um verlässliche Entscheidungen und eine verbesserte Delivery-Kontrolle sicherzustellen.
Komplexe Softwareprojekte – sei es ein maßgeschneidertes ERP, eine integrierte Fachplattform oder eine technisch anspruchsvolle Software-as-a-Service-Lösung – leiden oft unter erheblichen Budgetabweichungen. Diese Kostenüberschreitungen resultieren nicht aus fehlerhafter Entwicklung, sondern aus zu unzuverlässigen Anfangsschätzungen.
Eine stringente, nachvollziehbare und belastbare Methodik ist unerlässlich, um Geschäftsentscheidungen abzusichern – sei es bei Abwägungen zwischen Investitions- und Betriebsausgaben, der Ressourcenplanung oder Vertragsverhandlungen. Diese Checkliste in zehn Schritten fasst bewährte Praktiken zusammen, um eine belastbare Schätzung zu erstellen, die Vorstandsgremien, interne Audits und die Anforderungen des Projekt-Delivery standhält.
Perimeter festlegen und Budget klären
Ein klar definiertes Fundament verhindert versteckte Risiken und Missverständnisse. Die Unterscheidung der Schätzarten gewährleistet eine passgenaue Vorgehensweise in jeder Entscheidungsphase.
1. Den Zweck klären, bevor die Summe feststeht
Jede Schätzung muss einem konkreten Ziel dienen: einer groben Größenordnungsschätzung (± 30 %), einer formellen vertraglichen Zusage oder einer voraussichtlichen Abschlusskostenprognose. Ohne diese Unterscheidung lässt sich dieselbe Zahlenangabe nicht sowohl für eine interne Vorabschätzung als auch für ein verbindliches Angebot im Vorstand verwenden.
Im Alltag führt das Vermischen dieser Schätzstufen zu Verwirrung zwischen IT-Abteilung, Finanzbereich und Dienstleistern und zwingt zu regelmäßigen Nachbesserungen am Budget. Daher sollte bereits zu Projektbeginn Zweck, gewünschte Genauigkeitsstufe und zulässige Toleranzen der Schätzung klar kommuniziert werden.
Beispiel: Ein Schweizer Finanzdienstleister reichte im Rahmen einer ERP-Ausschreibung eine grobe Größenordnungsschätzung ein, ohne zu kennzeichnen, dass sie unverbindlich war. Bei der Budgetprüfung erwarteten alle Seiten eine feste Zusage, woraufhin das Angebot abgelehnt und das Projekt vertagt wurde.
2. Ein technisches Fundament festlegen
Eine belastbare Schätzung basiert auf einer präzisen technischen Beschreibung: Zielarchitektur, funktionaler Umfang, Integrationsanforderungen und Annahmen zu bestehenden Systemen. Alles, was nicht dokumentiert ist, birgt ein latent höheres Kostenrisiko.
Diese Punkte in kompakten, von allen Stakeholdern freigegebenen Dokumenten festzuhalten, schafft Klarheit und reduziert Grauzonen. Das technische Fundament dient später als Referenz von der Vertragsphase bis zum Projekt-Controlling.
Beispiel: Ein Industrieunternehmen, das von einer On-Premise-Lösung auf eine Cloudplattform umstieg, hatte die Schnittstellen zu seinen Produktionsmaschinen nicht komplett aufgelistet. In der Mitte des Projekts benötigte man einen zusätzlichen Monat für die Integration und verdoppelte das Budget, um die Kompatibilität sicherzustellen.
3. Verwertbare Daten statt Bauchgefühl sammeln
Schätzungen, die auf subjektivem Empfinden beruhen, führen zu großen Abweichungen. Besser ist es, auf Erfahrungswerte aus ähnlichen Projekten, Produktivitätsbenchmarks und dokumentierte Annahmen zurückzugreifen. Jede Zahl sollte durch eine Quelle oder eine nachvollziehbare Berechnung untermauert sein.
Durch das systematische Erfassen der tatsächlich aufgewendeten Zeiten, wiederkehrender Aufgaben und der erlebten Komplexitätsgrade entsteht ein interner Referenzrahmen, der bei jedem neuen Projekt verfeinert werden kann. Diese Nachvollziehbarkeit stärkt die Argumentation gegenüber Führungskräften und Prüfern.
Beispiel: Eine rein gefühlsbasierte Schätzung unterschätzte den Aufwand für Tests und Lasttests um 40 %. Der Zeitplan verschob sich um drei Monate, und Vertragsstrafen waren die Folge.
Softwaregröße und Risiken messen und modellieren
Der Funktionsumfang ist der entscheidende Kostentreiber, weit wichtiger als nur die geschätzten Personentage. Ein quantifiziertes Referenzmodell und die explizite Integration von Risiken schützen vor unliebsamen Überraschungen.
4. Den Funktionsumfang bestimmen, nicht nur die Zeit
Der Umfang – neu zu entwickelnde Komponenten, wiederverwendeter oder zu ändernder Code, Altsysteme und Standardkomponenten – ist der wahre Kosteneinfluss. Methoden wie Function Points, gewichtete User Stories oder einfache Komplexitätsmetriken helfen, diesen Umfang objektiv zu quantifizieren.
Durch die präzise Erfassung jedes Moduls oder jeder Großfunktion entsteht eine Granularität, die Abweichungen minimiert und das Controlling erleichtert. Die Metrik dient auch als Basis für das Live-Tracking während der Umsetzung.
5. Einen nachvollziehbaren Kosten-Baseline aufbauen
Ein guter Kosten-Baseline beantwortet: „Warum kostet dieses Projekt genau diesen Betrag und nicht 20 % weniger?“ Er entsteht aus einem detaillierten Modell, in dem jede Position (Analyse, Entwicklung, Tests, Infrastruktur) einer spezifischen Metrik zugeordnet ist.
Dabei müssen Produktivitätsraten, Komplexitätsfaktoren und Puffer klar ausgewiesen werden. Jede Annahme ist dokumentiert, um sie bei Bedarf transparent überprüfen oder anpassen zu können.
6. Risiken als Variable behandeln, nicht als Ausrede
Identifizierte Risiken werden entweder mit einem Wahrscheinlichkeitsfaktor und Kostenaufschlag im Schätzmodell abgebildet oder explizit ausgeschlossen und vom Auftraggeber getragen. Das verhindert, dass die Delivery-Mannschaft dauerhaft für unvorhergesehene Aufwände haftet.
Eine Risiko-Matrix für technologische, personelle und organisatorische Risiken sowie deren Wahrscheinlichkeiten oder Budgetreserven schafft eine verteidigungsfähige Kostenbasis. In der Vertragsphase kann man so gezielt Minderungsmaßnahmen oder Budgetpuffer vereinbaren.
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Validieren und in einen Ausführungsplan überführen
Die Abstimmung von Produktivität, Personalplanung und Zeitplan muss der Realität Ihrer Organisation entsprechen. Nur wer die Schätzung in einen operativen Plan überführt, macht sie unmittelbar handlungsfähig.
7. Die Gesamtkonsistenz prüfen
Eine Schätzung ist mehr als eine Zahl: Sie muss in Einklang stehen mit der internen Ressourcenkapazität, der Verfügbarkeit der benötigten Kompetenzen und den übergeordneten Zeitplanvorgaben. Ein Missverhältnis zwischen theoretischem Modell und realem Staffing führt zu Verzögerungen oder teureren Fremdleistungen.
Ein gemeinsames Review von IT-Abteilung, Projektleitungen und Dienstleistern prüft die Plausibilität der Aufwände, justiert Rollenprofile und stellt sicher, dass keine wesentlichen Abwesenheitsfenster übersehen wurden.
8. Die Schätzung in einen Ausführungsplan überführen
Eine nutzbare Schätzung enthält Meilenstein-Etappen, detaillierte Personalplanungen und eine Roadmap der anstehenden Entscheidungen. Jede Teillieferung ist einem messbaren Ergebnis, einem Kostenpunkt und einem festen Termin zugeordnet.
So lässt sich die Umsetzung inkrementell steuern, der Fortschritt bleibt transparent, und Scope- oder Priorisierungsentscheidungen können getroffen werden, ohne das Gesamtbudget zu gefährden.
9. Dokumentieren für permanente Weiterentwicklung
Jede Schätzung wird zu einem wertvollen Asset, wenn sie dokumentiert und in einem internen Repository archiviert wird. Abweichungen und gewonnene Erkenntnisse bilden die Grundlage für kontinuierliche Optimierung.
Durch die Auswertung der Erfahrungswerte lassen sich Produktivitätsbenchmarks verfeinern, Komplexitätskennzahlen anpassen und Puffer sukzessive reduzieren, während die kommerzielle Glaubwürdigkeit steigt.
Kontinuierliche Überwachung und Anpassung
Eine starre Schätzung verliert schnell an Wert, sobald das Projekt startet. Ein fortlaufendes Controlling von Plan zu Ist ist die Garantie für Budgetdisziplin.
10. Tägliches Controlling und Abweichungsmanagement
Während der gesamten Delivery-Phase ist es unerlässlich, den tatsächlichen Personentageverbrauch und den realisierten Lieferumfang regelmäßig mit der ursprünglichen Schätzung abzugleichen. Abweichungen müssen analysiert, dokumentiert und in Planung oder Budget angepasst werden.
Wöchentliche Statusmeetings, unterstützt durch ein einfaches, aber umfassendes Dashboard, ermöglichen es, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten, bevor finanzielle Auswirkungen überhandnehmen.
Change-Requests und Priorisierungen
Änderungswünsche während des Projekts sind unvermeidlich. Sie sollten über einen formalen Änderungsprozess eingereicht werden, der einen Zusatzaufwand schätzt oder Optionen, die noch nicht beansprucht sind, entsprechend anpasst.
Durch klare Entscheidungsprotokolle bleibt die Nachvollziehbarkeit erhalten, die Budgetkonsistenz gewahrt und alle Fachbereiche werden in Echtzeit über die Auswirkungen informiert.
Kontinuierliche Verbesserung und Wissenstransfer
Im Verlauf der Delivery werden jede Anpassung, jeder Schätzfehler und jeder Erfolg dokumentiert. Diese Erfahrungswerte fließen in das Schätzrepository ein und erhöhen die Genauigkeit zukünftiger Projekte.
Ein Beratungshaus, das drei Projekte nach dieser Methode geschätzt und gesteuert hat, konnte die mittlere Schätzdauer um 20 % reduzieren und die interne Zufriedenheit dank besserer Budgettransparenz deutlich steigern.
Verlässliche Schätzungen für beherrschbare Softwareprojekte
Wenn Sie diese zehn Schritte – von der Zielklärung über das technische Fundament bis zur kontinuierlichen Anpassung im Delivery – konsequent anwenden, sichern Sie Ihre Investitionsentscheidungen, Abwägungen zwischen Investitions- und Betriebsausgaben und Ihre Glaubwürdigkeit gegenüber dem Finanzbereich. Sie erhalten eine belastbare, verteidigungsfähige und direkt umsetzbare Schätzung für ERP-Einführungen, Fachplattformen oder komplexe Software-as-a-Service-Lösungen.
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