Zusammenfassung – Ohne Steuerung und klare Business-Ziele führen IT-Projekte zu Frust, Budgetüberschreitungen und untergenutzten Ergebnissen. Informelle Governance, knappes Pflichtenheft und Verwechslung von Technologie und Wert führen zu Verzögerungen, Mehrkosten und geringer Akzeptanz. Lösung: Formale Governance mit bereichsübergreifendem Komitee und regelmäßigen Monitoring-Ritualen etablieren, funktionale und technische Anforderungen bereits im Ausschreibungsverfahren mit definierten KPIs festlegen, das Projekt einem erfahrenen Projektleiter und einem engagierten Business-Sponsor anvertrauen, Ressourcen passend dimensionieren und den Wandel mit kontinuierlichem Wert-Controlling begleiten.
IT-Projekte sorgen weiterhin für Frustration und Ressourcenverschwendung – nicht wegen der Technologie, sondern aufgrund unpräziser Steuerung und schlecht definierter Ziele. Trotz der Einführung agiler Methoden und leistungsstarker Tools gelingt es den meisten Initiativen kaum, einen messbaren Geschäftswert zu liefern, die Anwender zu integrieren und die vorgegebenen Fristen einzuhalten.
Um diesen Trend umzukehren, müssen Organisationen Governance, Rahmenbedingungen und fachliche Verantwortlichkeit in den Mittelpunkt ihrer Projektstrategie stellen. Dieser Beitrag bietet eine konstruktive Analyse der häufigsten Ursachen für IT-Misserfolge und stellt konkrete Hebel vor, um den Wert bereits zu Projektbeginn abzusichern.
Unzureichende Governance und unklare Projektabgrenzung
Eine unklare Governance führt zu zersplitterten Entscheidungen und zu späten Abwägungen. Ohne klare fachliche Rahmenbedingungen drehen sich die IT-Teams um Lösungen, ohne das zugrundeliegende Ziel zu verstehen.
Fehlende strukturierte Governance
Wenn Rollen und Verantwortlichkeiten nicht formalisiert sind, interpretiert jeder Beteiligte die Prioritäten nach seinem eigenen Referenzrahmen. Strategische Entscheidungen versanden in informellen Gremien oder zersplitterten E-Mail-Abstimmungen, ohne jegliche Nachvollziehbarkeit. Das Ergebnis ist ein unregelmäßiger Validierungsrhythmus und Verständnisschwierigkeiten zwischen der IT-Abteilung, den Fach-Sponsoren und den Entwicklern.
Das Fehlen eines dedizierten Lenkungsausschusses erschwert zudem die Risikoanalyse und finanzielle Abwägungen. Mangels regelmäßiger Statusmeetings werden Budgetüberschreitungen oft erst gegen Ende des Projekts erkannt, wenn eine Kurskorrektur nicht mehr möglich ist. Diese Intransparenz wiegt bei KI- oder Automatisierungsprojekten, die besonders anfällig für Umfangsänderungen sind, noch schwerer.
Die Lösung liegt in der Einrichtung einer formellen Governance mit einem Lenkungsausschuss, der IT-Abteilung, Fachbereiche und externe Partner zusammenbringt. Klare Gremien und feste Kontrollrituale (wöchentliche Reviews, vierteljährliche Ausschüsse) ermöglichen es, Blockaden frühzeitig zu erkennen und vor jeder wesentlichen Entscheidung gegenzusteuern.
Unzureichende funktionale und technische Abgrenzung
Ein zu knappes Pflichtenheft oder eine schlampig durchgeführte Bedarfsanalyse lässt viele Unklarheiten offen. Unvollständige Spezifikationen wecken Unsicherheiten, die sich in Umfangserweiterungen und unvorhergesehenen Funktionsanfragen niederschlagen. Diese schrittweise Inflation destabilisiert Zeitpläne und sprengt die Budgets, ohne dass jemand die Verantwortung hierfür übernimmt.
Über die funktionalen Anforderungen hinaus müssen auch technische Rahmenbedingungen klar dokumentiert sein. Ohne eine Kartierung der Schnittstellen, Abhängigkeiten und Performanceanforderungen geraten Teams in eine Bastel-Situation, bei der Notfall-Patches oder temporäre Architekturen hinzugefügt werden, die Lastspitzen nicht standhalten.
Eine solide Abgrenzung basiert auf einer Formalisierung der fachlichen Anforderungen, der Validierung der prioritären Use Cases und der Festlegung von Erfolgsindikatoren bereits in den ersten Phasen. Die Erstellung eines Machbarkeitsprototyps ermöglicht es, Hypothesen schnell zu überprüfen, bevor umfangreiche Entwicklungen gestartet werden.
Anhaltende Verwechslung von Lösung und Fachziel
Zu oft starten Projekte mit einer Lieblingstechnologie – KI, Cloud-Plattform, RPA – ohne vorherige Analyse des Werts, den sie schaffen soll. Die Begeisterung für das Neue verschattet die Bewertung von Rentabilität und tatsächlichem Nutzen, was in Gimmick-Lieferobjekten oder überkomplizierten Lösungen für den Alltag mündet.
Dieser Ansatz führt zu ausgelieferten, aber nicht genutzten Produkten. Die Anwender übernehmen das Tool nicht, weil sie den konkreten Nutzen in ihren täglichen Prozessen nicht erkennen. Das Ergebnis ist eine geringe Akzeptanz, abgesagte Schulungen und letztlich eine nahezu nicht vorhandene Kapitalrendite.
Es ist entscheidend, das Fachziel vor der technischen Lösung zu stellen: die erwarteten Vorteile festzulegen (Zeitersparnis, Qualitätsverbesserung, Margensicherung) und die Technologie ausschließlich nach diesen Kriterien auszuwählen. Diese Umkehrung der Prioritäten sichert eine schnellere Akzeptanz und einen messbaren Wert bereits ab Go-Live.
Beispiel: Ein Schweizer Finanzdienstleister startete ein Kundenportal mit KI zur Analyse von Kaufverhalten, ohne zuvor die Zielkennzahlen festzulegen. Beim Launch überschritt die Akzeptanzrate nicht einmal 10 %, da die Berater keine greifbare Verbesserung in ihrem Tracking-Prozess sahen. Diese Initiative zeigt, dass ein Mangel an klar definierten KPIs vor der Entwicklung ein innovatives Projekt in einen reinen Demonstrator ohne operativen Nutzen verwandeln kann.
Solides Management mit Sponsor und Projektleiter
Die Koordination einem erfahrenen Projektleiter anzuvertrauen, senkt die Abweichungsrisiken drastisch. Einen voll verantwortlichen Fachsponsor zu benennen, stellt die dauerhafte Abstimmung zwischen operativen Anforderungen und technischer Entwicklung sicher.
Schlüsselrolle des erfahrenen Projektleiters
Ein erfahrener Projektleiter antizipiert Blockaden, managt Prioritäten und hält einen kontrollierten Zeitplan ein. Er leitet die Governance-Gremien, steuert Risiken und stellt sicher, dass jedes Deliverable den ursprünglichen Anforderungen entspricht. Im Falle von Abweichungen verfügt er über eine erprobte Methodik, um Ressourcen und Termine anzupassen.
Die Auswahl dieses Profils basiert nicht nur auf seinen technischen Fähigkeiten, sondern auch auf seiner Kompetenz, interdisziplinäre Teams zu vereinen. Sein Leadership ist ein entscheidender Hebel, um Zusammenhalt und Engagement während des gesamten Projekts zu sichern. Jeder validierte Meilenstein wird zum Beleg für Professionalität und Vertrauen.
Gleichzeitig weiß ein erfahrener Projektleiter, wie man eine lebendige Dokumentation erstellt – Lieferplan, Fortschrittsberichte und Risikoreviews. Diese Nachvollziehbarkeit erleichtert Entscheidungen, vermeidet unnötige Rückfragen und verschafft allen Stakeholdern einen präzisen Überblick über den Projektfortschritt.
Aktive Einbindung des Fachsponsors
Der Fachsponsor repräsentiert die Hierarchieebene, die das Projekt finanziert und trägt. Sein Engagement ist entscheidend, um organisatorische Barrieren abzubauen und bei Prioritätskonflikten zu entscheiden. Er muss für die wichtigen Gremien zur Verfügung stehen und funktionale Änderungen zügig absegnen.
Ohne diese direkte Beteiligung verliert das Projekt seinen fachlichen Bezug: Spezifikationen driften ab, tatsächliche Bedarfe werden ignoriert und Ressourcen verstreuen sich. Der Sponsor muss zudem bereit sein, das Projekt gegenüber der Geschäftsleitung zu verteidigen und notwendige Ressourcen – seien es Tools oder externe Experten – zu mobilisieren.
Ein motivierter Sponsor setzt eine positive Dynamik frei: Jedes Team erkennt, dass es nicht nur um Technik, sondern um strategische Unternehmensziele geht. Seine Rolle umfasst auch Kommunikation und Projektförderung, was die Adoption am Ende des Zyklus erleichtert.
Transversaler Kollaborationsrahmen
Über Projektleiter und Sponsor hinaus beruht der Erfolg auf einer engen Zusammenarbeit von IT und Fachbereichen. Mischworkshops (Workshops, User Stories) ermöglichen einen kontinuierlichen Abgleich von Bedarfen und technischen Vorschlägen. Diese Transversalität verhindert Insellösungen und fördert kollektive Verantwortung.
Asynchrone Kollaborationstools (Ticketportale, geteilte Kanban-Boards) unterstützen diese Kooperation, indem sie jederzeit Transparenz über den Fortschritt bieten. So kann jede Stakeholder-Gruppe Aufgaben nachverfolgen und in Echtzeit Feedback geben.
Dieses Setup schafft ein agiles Umfeld, in dem Anpassungen reibungslos und ohne Kommunikationsbrüche erfolgen. Das Management wird wirklich kollaborativ, und die Deliverables gewinnen an fachlicher Präzision und Relevanz.
Beispiel: Bei der Neugestaltung eines Informationssystems eines Schweizer Logistikunternehmens übernahm ein Branchenveteran als Senior-Projektleiter, unterstützt von einem Betriebsverantwortlichen, die Verantwortung. Der Fachsponsor nahm an den täglichen Meetings teil. So hielt das Projekt seine Meilensteine ein und übertraf die Zielvorgaben zur Reduzierung von Zwischenfällen, was bestätigt, dass die Kombination aus strukturierter Steuerung und engagiertem Sponsor hohen Geschäftsnutzen schafft.
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Wert erhalten durch Dimensionierung und Change Management
Die Bereitstellung der richtigen Ressourcen und Kompetenzen von Anfang an sichert Machbarkeit und Nachhaltigkeit Ihrer Lösung. Change Management beschränkt sich nicht auf Kommunikation, sondern ist entscheidend für Adoption und Wertmessung.
Realistische Dimensionierung von Ressourcen und Kompetenzen
Die im Request for Proposal von Beginn an festzulegenden benötigten Expertisen (Architektur, Sicherheit, DevOps, Data Science) vermeiden Unterbesetzungen, die Lieferungen verzögern. Es gilt, die Lernkurve bei aufkommenden Technologien zu berücksichtigen und Kapazitätspuffer für Unvorhergesehenes einzuplanen.
Komplexe Projekte erfordern oft ein hybrides Team aus Open-Source-Experten und internen Fachkräften. Diese Mischung fördert den Wissenstransfer und sichert Unabhängigkeit von einem einzigen Dienstleister. Die Dimensionierung muss zudem einen Post-Go-Live-Support zur Bearbeitung von Vorfällen und Performanceoptimierung berücksichtigen.
Schließlich erlaubt ein flexibler Staffing-Plan, die Teamgröße je nach Milestone rasch anzupassen. Eine wichtige Qualitätsprüfung oder ein Performance-Test kann kurzfristig spezialisierte Kompetenzen erfordern. Diese Flexibilität verhindert Engpässe und sichert eine schrittweise Skalierung.
User-zentriertes Change Management
Das Change Management geht über reine Kommunikation hinaus: Es muss die Nutzer darauf vorbereiten, neue Arbeitsweisen anzunehmen. Am besten beginnt man bereits in der Prototyping-Phase mit Trainings, Co-Design-Workshops und kontinuierlichem Feedback.
Jede neue Funktion sollte von kontextsensitiver Dokumentation und Schulungsmodulen für die jeweiligen Fachbereiche begleitet werden. Intern geschulte Botschafter tragen dazu bei, Botschaften zu verbreiten und Einwände noch vor dem Go-Live zu sammeln.
Nach der Einführung stärken Feedback-Erfassung und iterative Systemanpassungen das Vertrauen der Nutzer. Ein dedizierter Support und Adoption-Kennzahlen (Loginrate, Prozessabschlussquoten) ermöglichen die Erfolgsmessung und das gezielte Einleiten von Korrekturmaßnahmen bei Bedarf.
Kontinuierliches Value Management und Performance-Indikatoren
Anstatt das Projekt mit der Auslieferung als abgeschlossen zu betrachten, ist es unerlässlich, ein kontinuierliches Value Management einzuführen. Genaue KPIs (Kostenreduktion, Produktivitätsgewinn, Nutzerzufriedenheit) müssen regelmäßig aktualisiert werden, um den konkreten Impact der Lösung aufzuzeigen.
Ein gemeinsames Dashboard, das durch Reporting-Tools automatisch aktualisiert wird, bietet eine Echtzeit-Sicht. Quartals-Reviews ermöglichen es, Entwicklungen auf Funktionen mit höherem ROI auszurichten und die Roadmap entsprechend den fachlichen Prioritäten anzupassen.
Dieser Ansatz verwandelt das Projekt in einen strategischen Vermögenswert, dessen Performance wie ein Profitcenter gesteuert wird. Er stärkt die Legitimität der IT und demonstriert die Fähigkeit der Organisation, digitaler Investitionen gewinnbringend zu nutzen.
Beispiel: Bei der Einführung einer CRM-Lösung in einem Schweizer KMU umfasste das Change Management eine automatisierte Nachverfolgung von Zufriedenheits- und Nutzungskennzahlen nach dem Go-Live. Ein Dashboard half, die Supporttickets in drei Monaten um 25 % zu reduzieren und zeigte, dass kontinuierliche Begleitung und Value Management schnell Fehlentwicklungen vermeiden.
Verwandeln Sie Ihre IT-Projekte in strategische Vermögenswerte
Um den Erfolg IT-Initiativen zu sichern, ist es unerlässlich, klare Governance wiederherzustellen, eine stringente Abgrenzung zu formalisieren und Fachsponsoren voll verantwortlich zu machen. Die Steuerung erfahrenen Projektleitern zu übergeben, geeignete Ressourcen zu dimensionieren und ein proaktives Change Management zu implementieren, gewährleistet schnelle Adoption und messbaren ROI.
Unsere Experten begleiten Organisationen von der Erstprüfung bis zum Value Tracking in der Produktion. Durch die Kombination eines kontextbezogenen Ansatzes, skalierbarer Open-Source-Lösungen und agiler Governance verwandeln sie IT-Projekte in nachhaltige Performance-Treiber.
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