Zusammenfassung – Produktionsumgebungen tun sich schwer, Sicherheit, Compliance und Leistung zu vereinen, Muskel-Skelett-Erkrankungen zu reduzieren und gleichzeitig die Präzision der Abläufe sicherzustellen. Cobots mit Näherungssensoren und maschinellem Sehen adressieren diese Herausforderungen: Einhaltung der ISO 10218-1, sichere Stopp-Szenarien, iterative Risikoanalysen, Reduzierung von Muskel-Skelett-Erkrankungen um bis zu 60 %, Produktivitätssteigerungen von 20–30 % und mikrometrische Präzision für kritische Aufgaben.
Lösung: nutzerzentrierte Co-Design-Ansätze und modulare Open-Source-Architektur mit klaren KPIs und CI/CD-Pipeline für schnellen ROI und skalierbares Wachstum ohne Vendor Lock-in.
Kollaborative Roboter, oder Cobots, revolutionieren Produktions- und Serviceumgebungen, indem sie traditionelle Schutzkäfige verlassen, um Hand in Hand mit den Bedienkräften zu arbeiten. Dank Näherungssensoren und Mechanismen zum Abbremsen oder sofortigen Stoppen bieten sie ein bisher unerreichtes Sicherheitsniveau, ohne die Prozessabläufe zu beeinträchtigen.
Gleichzeitig statten Computervision-Systeme diese Cobots mit intelligenten Kameras aus, die Hindernisse erkennen, Gesten wahrnehmen und kritische Zonen überwachen können. Unternehmen können so repetitive oder hochpräzise Tätigkeiten automatisieren, ohne Sicherheit oder Ergonomie der Arbeitsplätze zu opfern.
Sicherheit und Compliance: Basis für eine kollaborative Implementierung
Die Sicherheit der Mitarbeitenden hat schon bei der Auslegung des Cobots-Arbeitsplatzes oberste Priorität. Die ISO-Norm 10218-1 leitet jeden Schritt, von der Risikoanalyse bis zur Validierung. Eine kontrollierte Implementierung stützt sich auf eine regelkonforme Vorgehensweise und sichere Stopp-Szenarien, die gewährleisten, dass das System vor jedweder physischen Gefährdung stoppt.
Normen und ISO 10218-1
Die ISO 10218-1 legt die Sicherheitsanforderungen für Industrieroboter fest und beschreibt die notwendigen Anpassungen, wenn diese in direktem Kontakt mit Menschen arbeiten. Jeder Cobot muss Gestaltungsmerkmale wie Begrenzung von Kraft und Drehmoment erfüllen, um Verletzungsrisiken zu minimieren.
Die Norm schreibt zudem sichere Schnittstellen für den Not-Aus, eingeschränkte mechanische Schutzvorrichtungen und die Integration von Sensoren vor, die jede unbefugte Anwesenheit im Arbeitsbereich erfassen. Sie beinhaltet Tests zur Widerstandsfähigkeit und zum Verhalten bei elektrischen oder Softwareausfällen.
Die Einhaltung dieser Norm wird durch ein nach einer Drittanbieter-Prüfung ausgestelltes Zertifikat bestätigt. Dieser Prozess stellt sicher, dass jede Bewegung des Cobots innerhalb sicherer Kraftgrenzen bleibt und das System bei unvorhergesehenem Kontakt sofort stoppt.
Systematische Risikoanalyse
Die Risikoanalyse dient dazu, alle potenziellen Unfall- oder Einklemmszenarien zu identifizieren, wobei die Bewegungsdynamik, Geschwindigkeit und Trajektorien des Cobots berücksichtigt werden. Diese Kartierung zielt darauf ab, die potenziellen Auswirkungen jeder Gefährdungssituation zu bewerten.
Auf dieser Grundlage werden präventive Maßnahmen definiert: Geschwindigkeitsbegrenzungen, virtuelle Arbeitszonen, Druck- oder Kraftsensoren und optische Barrieren. Jede Maßnahme unterliegt einer dokumentarischen Verifikation und praktischen Tests vor der Industrialisierung.
Dieser iterative Ansatz wird bei jeder Änderung des Arbeitsplatzes oder der Aufgabe wiederholt, um sicherzustellen, dass technische Modifikationen die Sicherheit nicht beeinträchtigen. Die Risikoanalyse bleibt ein lebendiges Dokument und wird regelmäßig aktualisiert.
Sichere Stopp-Szenarien
Moderne Cobots bieten je nach Dringlichkeit schrittweise oder sofortige Stoppfunktionen: kontrolliertes Stoppen, um eine Aktion sicher abzuschließen, oder sofortige Abschaltung, um eine schwere Kollision zu verhindern. Die Bedienkräfte können diese Szenarien über Not-Aus-Taster oder sensible Zonen auslösen.
Simulationsbasierte Tests validieren, dass Stoppzeiten und Sicherheitsabstände den Normanforderungen entsprechen. Diese Tests stellen auch sicher, dass der Cobot nicht überempfindlich auf Fehlalarme reagiert.
Beispiel: Ein Schweizer KMU aus der Verpackungsbranche hat einen cobotisierten Palettierarbeitsplatz mit zwei Kameras und vier Drucksensoren implementiert. Dank der Analyse der Stopp-Szenarien konnte es die Wahrscheinlichkeit ungewollter Kontakte um 80 % reduzieren. Dieses Beispiel zeigt, dass ein systematischer Ansatz nach ISO 10218-1 nahezu alle physischen Zwischenfälle eliminiert und gleichzeitig einen schnellen Produktionszyklus aufrechterhält.
Produktivitätsgewinne und Verringerung muskuloskelettaler Beschwerden
Der Einsatz von Cobots beschränkt sich nicht nur auf die Entlastung repetitiver Aufgaben, sondern reduziert auch deutlich muskuloskelettale Beschwerden. Die Leistungsbewertung über präzise Indikatoren ermöglicht eine schnelle Amortisation und eine Anpassung des Mensch-Roboter-Mixes.
Einsatz von Näherungssensoren
Ultraschall-, Lidar- oder Infrarotsensoren erfassen die menschliche Anwesenheit beim Nähern und passen sofort die Geschwindigkeit an oder stoppen die Bewegung. Diese Reaktivität bietet passive Sicherheit, ohne physische Barrieren zu benötigen.
In der Praxis werden progressive Annäherungszonen eingerichtet: reduzierte Geschwindigkeit beim Eintritt in einen Bereich und vollständiges Stoppen, wenn die Bedienstelle die kritische Zone betritt. Diese Granularität ermöglicht hohe Taktzeiten bei gleichzeitiger Sicherheit.
Die Anpassung der Detektionsschwellen wird anhand von Betreiberfeedback und Produktionsdatenanalysen verfeinert, um eine konstante Effizienz ohne unnötige Stopps zu gewährleisten.
Reduzierung muskuloskelettaler Beschwerden
Schwere Hebe- oder sich wiederholende Handgriffe sind Hauptursachen für muskuloskelettale Beschwerden. Cobots können schwere Lasten übernehmen, den Muskelaufwand reduzieren und Ermüdung vorbeugen.
Durch die Kombination körperlich anspruchsvoller Arbeitsplätze mit cobotunterstützten Stationen wird die Arbeitsbelastung verteilt und den Mitarbeitenden anspruchsvollere Tätigkeiten geboten. Dies steigert die Motivation und verringert verletzungsbedingte Ausfälle.
Erste Erfahrungsberichte weisen auf eine Reduktion der Behandlungskosten für Rückenschmerzen um fast 60 % und für Schultererkrankungen um 45 % in Teams mit ergonomischen Cobots hin.
Messung des operativen ROI
Um die Investition zu rechtfertigen, definiert jeder Standort präzise KPIs: Ausfallrate, Zykluszeit, verarbeitete Menge, Qualitätszwischenfälle. Diese Metriken vergleichen den Zustand vor und nach der Cobot-Integration.
Produktivitätsgewinne äußern sich häufig in einer Volumenzunahme von 20 bis 30 % und einer Reduzierung von Ausschuss oder Nacharbeit. Einsparungen durch weniger Verletzungen, Krankheitsausfälle und Schulungen kommen zu diesen direkten Vorteilen hinzu.
Beispiel: Eine mechanische Lohnfertigung in der Schweiz integrierte einen Cobot für Beladezyklen. Nach drei Monaten verzeichnete sie eine Produktivitätssteigerung von 25 % und eine 70 %ige Reduzierung der krankheitsbedingten Ausfälle durch muskuloskelettale Beschwerden. Dieser Fall zeigt, dass ein konsequentes KPI-Monitoring einen schnellen und messbaren ROI garantiert.
Edana: Strategischer Digitalpartner in der Schweiz
Wir begleiten Unternehmen und Organisationen bei ihrer digitalen Transformation.
Computervision: Präzision und erweiterte Sicherheit
Computervision verleiht Cobots eine feine Wahrnehmung, die essenziell ist, um Hindernisse zu erkennen und menschliche Bewegungen zu verfolgen. Sie ermöglicht zudem eine Manipulationsgenauigkeit, die Aufgaben in Chirurgie oder mikrometergenauer Montage eröffnet.
Erkennung von Hindernissen in Echtzeit
2D- und 3D-Kameras scannen kontinuierlich den Arbeitsbereich und erstellen eine aktuelle Belegungskarte. Der Cobot passt seine Trajektorie an, um jeden direkten Kontakt zu vermeiden.
Diese Erkennung funktioniert selbst bei unvorhergesehenen Objekten oder mitgeführten Werkzeugen des Bedieners und bietet dynamischen, anpassungsfähigen Schutz. Algorithmen identifizieren Form und Entfernung in Millisekunden.
Multi-Kamera-Konfigurationen heben Schattenzonen auf und garantieren eine 360 °-Abdeckung, unerlässlich in dichten Werkstatt- oder Logistikumgebungen.
Gestenverfolgung und sensible Zonen
Über die reine Erkennung hinaus identifizieren bestimmte Vision-Algorithmen menschliche Haltungen und spezifische Gesten. Der Cobot passt dann sein Verhalten an: Verlangsamung, Kursänderung oder Aktivierung einer internen Alarmfunktion.
Dies ist entscheidend bei Aufgaben, bei denen der Bediener den Roboterarm manuell führt: Das System erkennt die Intention des Anwenders und synchronisiert die Mensch-Maschine-Kooperation.
Die Überwachung sensibler Bereiche wie Kopf oder unbedeckte Hände ermöglicht die Einrichtung von Mikro-Fahrräumen, in denen der Cobot bei Überschreitung sofort stoppt.
Präzision für kritische Aufgaben
In den Medizin- und Elektroniksektoren muss die Präzision einige Zehntel Millimeter erreichen. Cobots mit kalibrierter Vision korrigieren Abweichungen automatisch und sichern die Qualität der Bewegung.
Bei der minimalinvasiven Chirurgie stabilisieren diese Systeme beispielsweise die Instrumente und kompensieren Mikrozittern, reduzieren menschliche Fehler und erhöhen die Patientensicherheit.
Beispiel: Ein Schweizer Hersteller von Medizininstrumenten integrierte ein Vision-Modul in einen Cobot zur Montage ultrafeiner Komponenten. Diese Lösung halbierte die Ausschussquote und bewies, dass maschinelles Sehen die erforderliche Präzision für anspruchsvollste Anwendungen liefert.
Co-Design und Skalierbarkeit der Arbeitsplätze
Der Erfolg eines Cobot-Projekts basiert auf Co-Design mit den Bedienkräften und Fachabteilungen, um Arbeitsplatz und Prozesse bereits in der Entwurfsphase anzupassen. Eine modulare, open-source-Architektur gewährleistet Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Integration in das bestehende IT-Ökosystem.
Human-zentriertes Design
Die Einbindung der Teams von Beginn an stellt sicher, dass der Arbeitsbereich ihren Bedürfnissen entspricht: Arbeitshöhe, Werkzeugzugang, angepasste Bedienoberflächen. Dies fördert die Akzeptanz und verringert Widerstände gegen Veränderungen.
Ideations-Workshops mit Ergonomie-Experten, Ingenieuren und Bedienkräften simulieren die Prozessabläufe und identifizieren Engpässe. Schnelle Iterationen mit virtuellen Prototypen optimieren Positionierung und Aktionssequenzen.
Dieser Ansatz trägt auch zur Aufwertung der Bedienrolle bei, die vom Ausführenden zum Supervisor und Planer automatisierter Aufgaben wird.
Modulare und Open-Source-Architekturen
Open-Source-Softwarekomponenten, Container und Microservices ermöglichen das Hinzufügen oder Ändern von Funktionen, ohne den Systemkern zu beeinträchtigen. Diese Entkopplung reduziert das Regressionsrisiko und vereinfacht die Wartung.
Durch den Einsatz standardisierter Frameworks wird Vendor Lock-in vermieden und die Möglichkeit gewahrt, Komponenten auszutauschen, während Kommunikationsprotokolle und Schnittstellen beibehalten werden.
Die Modularität erstreckt sich auch auf Sensoren, Kameras und Beladestationen, die je nach Bedarf aufgerüstet oder ausgetauscht werden können.
Skalierbarkeit und Qualitätssicherung
Jede Software- oder Hardware-Änderung unterliegt Integrations-Tests und einer Validierungskampagne in simulierten Umgebungen, um die Systemkompatibilität zu prüfen. Ein dedizierter CI/CD-Pipeline für Cobot-Stationen beschleunigt diesen Prozess.
Logdateien und Leistungsdaten speisen Zuverlässigkeits- und Verfügbarkeitsindikatoren, die Entscheidungen über Updates und Predictive Maintenance leiten.
Beispiel: Ein Schweizer Logistikdienstleister co-designt eine modulare Station, in der Cobot und Förderbänder je nach Saisonschwankungen verschiebbar sind. Diese Modularität steigerte die Reaktionsfähigkeit auf Nachfragespitzen um 30 % und demonstriert den Vorteil einer zukunftssicheren Architektur.
Setzen Sie Cobots ein, um Ihre Prozesse abzusichern und zu optimieren
Kollaborative Cobots mit Computervision und normkonformer Umsetzung nach ISO bieten eine Gewinnertrinitität: optimierte Sicherheit, messbare Produktivität und gesteigerte Präzision. Die Verringerung muskuloskelettaler Beschwerden, modulare Integration und Co-Design garantieren eine reibungslose, skalierbare Implementierung ohne Vendor Lock-in.
Jedes Projekt sollte mit einer Risikoanalyse beginnen, Normen einhalten, Fachabteilungen einbeziehen und auf Open-Source-Bausteinen aufbauen, um Langlebigkeit und Flexibilität zu gewährleisten.
Unsere Expert:innen für Digitalstrategie und digitale Transformation stehen Ihnen zur Verfügung, um die am besten geeignete Lösung für Ihre Anforderungen zu erarbeiten.
Besprechen Sie Ihre Herausforderungen mit einem Edana-Experten







Ansichten: 9