Zusammenfassung – Predictive Maintenance wird oft mit teuren IoT-Sensoren gleichgesetzt, doch industrielle KMU verfügen bereits über ungenutzte Ausfallhistorien, Berichte und Logdaten, um Störungen vorauszusehen. Durch Strukturierung und Bereinigung dieser passiven Daten, Standardisierung manueller Inspektionen und Einsatz eines CMMS lassen sich in wenigen Wochen verlässliche Kennzahlen generieren und ungeplante Ausfallzeiten um 20–40 % reduzieren. Dieser pragmatische, kostengünstige und rasch umsetzbare Ansatz liefert sofortigen ROI und bereitet das Unternehmen auf zukünftige IoT-Erweiterungen vor.
Vorausschauende Instandhaltung ohne IoT: der am meisten unterschätzte Modernisierungshebel für industrielle KMU
In der Vorstellung vieler Entscheidungsträger erscheint vorausschauende Instandhaltung oft als hochmoderne Fabrik voller Sensoren und komplexer Algorithmen. Dabei verfügen zahlreiche Schweizer Industrie-KMU bereits über ungenutzte Schätze: Ausfallhistorien, Einsatzberichte, Betriebsstundenzählungen …
Durch die Strukturierung dieser passiven Daten lassen sich Ausfallprognosen einfach erstellen – und das ohne massive IoT-Investitionen. Dieser pragmatische Ansatz liefert schnell eine gute Kapitalrendite, fügt sich in bestehende Abläufe ein und bereitet das Unternehmen auf eine mögliche technologische Aufrüstung vor. Ohne die Organisation umzukrempeln oder von einem einzigen Anbieter abhängig zu sein, wird dieser erste Digitalisierungsschritt zum echten Modernisierungshebel.
Erfassung und Strukturierung passiver Daten
Sie verfügen bereits über wertvolle Informationen ganz ohne IoT-Sensoren. Erst durch die Strukturierung Ihrer Historien und Protokolle entstehen die ersten prädiktiven Kennzahlen.Dieser anfängliche, schnelle und kostengünstige Aufwand schafft eine solide Grundlage, um Ausfälle zu reduzieren und die digitale Zukunft Ihrer Anlage vorzubereiten.
Identifikation vorhandener Datenquellen
Jede Maschine hinterlässt Spuren ihrer Aktivität. Die nach jeder Wartung ausgefüllten Papierberichte, die von Steuerungen erzeugten Fehlerprotokolle und die Aufzeichnungen der Produktionszyklen bieten eine Vielzahl von Einstiegspunkten für eine prädiktive Analyse. Diese oft vernachlässigten Daten zeigen wiederkehrende Störungen und die Lebensdauer von Bauteilen auf.
In vielen Werkstätten dokumentieren Techniker manuell die Betriebsstunden und Wartungsanlässe. Diese Archive – auch wenn unvollständig – geben einen Überblick über die Zuverlässigkeit der Ausrüstung im Zeitverlauf. Entscheidend ist es, sie zusammenzuführen und zu digitalisieren, um daraus Trends abzuleiten.
Eine zügige Kartierung der Datenquellen hilft, Systeme mit hohem Prognosepotenzial zu identifizieren. Indem PDF-Dateien, Tabellenkalkulationen und Logbücher in einem zentralen System gesammelt werden, lassen sich Informationsverluste vermeiden und der nächste Schritt – die Datenbereinigung und ‑organisation – erleichtern.
Strukturierung und Bereinigung der Historien
Die Datenqualität ist entscheidend für robuste prädiktive Modelle. Formate müssen vereinheitlicht, Dubletten eliminiert und Eingriffe nachvollziehbar gemacht werden. Eine sorgfältige Bereinigung gewährleistet zeitliche Konsistenz und beseitigt Inkonsistenzen, die das Ergebnis verfälschen könnten.
Ein Schweizer Maschinenbau-KMU hat diesen Ansatz verfolgt, indem es zwölf Monate an Papierberichten in einer einfachen Datenbank zentralisierte. Nach der Dublettenentfernung und der Harmonisierung der Bezeichnungen entdeckte es, dass 40 % der Stillstände auf lediglich zwei Bauteile zurückzuführen waren. Diese erste Analyse ermöglichte rasche Korrekturmaßnahmen.
Nach Abschluss dieser Phase sind Ihre Daten einsatzbereit für Visualisierungstools oder sogar einfache Skripte. So erhalten Sie die ersten Trendkennzahlen, ganz ohne kostspielige Sensorinstallationen.
Erste Analysemethoden ganz ohne IoT
Mit qualitativ hochwertigen Vergangenheitsdaten lassen sich einfache statistische Verfahren anwenden, um Ausfälle vorherzusagen. Verschleißkurven, basierend auf Betriebsstunden versus gemeldeten Zwischenfällen, reichen oft aus, um kritische Abnutzung vor dem Ausfall zu erkennen.
Diese grundlegenden Modelle, in wenigen Tagen implementiert, halfen einem Hersteller von Industriegeräten, ungeplante Stillstände um 20 % zu reduzieren. Das Unternehmen konnte die Abnutzungsrate einer Hydraulikdichtung mit 85 % Zuverlässigkeit vorhersagen – ganz ohne Sensorik.
Ausgehend von diesen ersten Erfolgen verfeinerte das Team seine Vorhersagen, indem es Produktionssaisonalität und Ersatzteilverfügbarkeit mittels Prozessintelligenz berücksichtigte. Diese Experimentierphase bestätigte den Ansatz und stärkte das Vertrauen, bevor eine IoT-Erweiterung in Betracht gezogen wurde.
Betriebliche Disziplin: mächtiger als Sensoren
Vorausschauende Instandhaltung basiert zuerst auf wiederkehrenden, strukturierten Kontrollen – nicht auf der Menge an Echtzeitdaten.Regelmäßige Inspektionen nach klaren Protokollen, unterstützt durch Low-Tech-Werkzeuge, reichen aus, um ein verlässliches Condition Monitoring zu etablieren.
Strukturierte manuelle Inspektionen
Visuelle Kontrollen und manuelle Aufzeichnungen liefern bei Standardisierung detaillierte Einblicke in den Maschinenzustand. Präzise Checklisten ermöglichen es, Temperatur, Verschleißgrad und Undichtigkeiten schon beim kleinsten Anzeichen einer Anomalie zu dokumentieren.
Ein eindeutiges Inspektionsprotokoll mit regelmäßigen Intervallen schafft die notwendige Disziplin. Durch die Wiederholung der Messungen werden auch geringfügige Veränderungen sichtbar, die oft Vorboten eines bevorstehenden Ausfalls sind.
Aufbauend auf diesen Aufzeichnungen entsteht schrittweise eine Condition-Monitoring-Datenbank. Jede Eingabe ergänzt die passiven Daten und liefert ein umfassendes historisches Bild.
Low-Tech-Überwachungstools
Einfachste Geräte wie mobile Wärmebildkameras oder tragbare Vibrationslogger bereichern das Monitoring, ganz ohne feste Installation. Diese Tools lassen sich in wenigen Minuten einsetzen und liefern vor Ort verlässliche Messwerte.
Ein Bau-KMU nutzt ein portables Schwingungsanalyse-Protokoll durch die Bediener, um Unwuchten von Betonpumpenrotoren zu erkennen. Durch den Vergleich der Messungen im Dreimonatsabstand wurde eine Unwucht frühzeitig erkannt, bevor sie das Lager beschädigte.
Der Vorteil dieser Low-Tech-Lösungen liegt in der Unabhängigkeit von komplexen IoT-Netzwerken. Die Daten werden manuell erfasst oder schnell in ein Instandhaltungsmanagementsystem importiert.
Standardisierung der Prozesse und Schulung
Um die Qualität der Inspektionen sicherzustellen, ist die Schulung der Bediener in den neuen Protokollen unerlässlich. Eine kurze Einweisung in die Erkennung von Verschleißzeichen (ungewöhnliche Geräusche, Überhitzung) macht jeden Mitarbeiter zum menschlichen Sensor.
Einfache Kontrollblätter, ausgefüllt auf Tablet oder Papier, gewährleisten die Nachvollziehbarkeit und vereinfachen die Analyse. Das Reporting wird transparent und für alle Teams zugänglich – ein zentraler Baustein proaktiver Instandhaltung.
Diese organisatorische Maßnahme fördert essentielle Reflexe: Werden die definierten Intervalle eingehalten? Werden Anomalien sofort gemeldet? Die systematischen Antworten auf diese Fragen bilden Ihre prädiktive Basis.
Edana: Strategischer Digitalpartner in der Schweiz
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Schneller und kontrollierter ROI für industrielle KMU
Dieser schrittweise Ansatz ermöglicht eine prädiktive Strategie in wenigen Wochen mit begrenztem Budget.Ohne technologische Abhängigkeiten, mit geringem Risiko und sichtbaren Vorteilen, lange bevor an eine IoT-Einführung gedacht wird.
Geringe Kosten und agiles Roll-out
Mit internen Ressourcen und kostengünstigen Werkzeugen bleibt das dedizierte Budget überschaubar. Es deckt eine Lizenz für das Instandhaltungsmanagementsystem, einige portable Sensoren und Schulungen ab – ohne Massenanschaffung von Sensoren.
Integration in bestehende Arbeitsabläufe
Der Erfolg liegt darin, die prädiktive Vorgehensweise im Alltag der Teams zu verankern. Traditionsgemäße Wartungsberichte werden zu digitalen Checklisten, ohne die Arbeitsgewohnheiten grundlegend zu ändern.
Vorbereitung auf eine zukünftige IoT-Phase
Phase 1 dient der Formalisierung der Prozesse, der Dokumentation der Kennzahlen und der Etablierung einer Daten-Governance. Sie wissen genau, wo und wie Sensoren optimal eingesetzt werden sollten.
Verwandeln Sie vorausschauende Instandhaltung in einen operativen Vorteil
Die Nutzung Ihrer passiven Daten, die Strukturierung regelmäßiger Inspektionen, der Einsatz eines Instandhaltungsmanagementsystems und die Einbindung Ihrer Bediener bilden einen pragmatischen, kostengünstigen Fahrplan zur Modernisierung Ihrer Werkstatt. Sie erzielen schnell einen ROI, reduzieren ungeplante Stillstände und legen das Fundament für zukünftige IoT-Sensoren auf einem soliden Unterbau.
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