Zusammenfassung – Angesichts des Wartungsendes von SAP PI/PO im Jahr 2027 sind Schweizer Unternehmen verstärktem Vendor-Lock-in, steigenden Lizenzkosten, intransparenten Datenflüssen und mangelnder Agilität ausgesetzt. Open-Source-Alternativen oder eine maßgeschneiderte Middleware bieten eine API-getriebene, modulare, transparente, skalierbare und KI-fähige Architektur ohne wiederkehrende Kosten. Lösung: Ein freies oder individuelles Ökosystem unter einer robusten IT-Governance priorisieren, um die Umstellung als Hebel für Innovation und technologische Souveränität zu nutzen.
Mit dem näher rückenden Wartungsende für SAP PI/PO im Jahr 2027 stehen Schweizer Unternehmen vor einer vorgezeichneten Wahl: Entweder sie migrieren zur SAP Integration Suite oder sie setzen sich erheblichen operativen Risiken aus. Doch dieser Zeitpunkt bietet eine strategische Chance, aus der Vendor-Lock-in-Logik auszubrechen und eine modulare, API-getriebene und souveräne IT-Architektur aufzubauen.
Open-Source-Lösungen – vom Event-Bus über Low-Code-Orchestratoren bis hin zu modernen ESB – bieten eine lizenzkostenfreie Alternative, die perfekt auf komplexe ERP-, MES-, CRM- und IoT-Flüsse zugeschnitten ist. Dieser Artikel analysiert die Schwachstellen geschlossener Ökosysteme, stellt ausgereifte Open-Source-Orchestratoren vor, hebt die Vorteile maßgeschneiderter Middleware hervor und vergleicht Migrationsszenarien, um eine fundierte Integrationsstrategie zu erarbeiten.
Die Grenzen proprietärer Ökosysteme und die Versuchung des Lock-in
Proprietäre Plattformen binden Organisationen in schwere und kostspielige technologische Abhängigkeiten. Die fehlende Transparenz der Integrationslogik beeinträchtigt Agilität und Systemkontrolle.
Die Zentralisierung von iFlows und Services in einem geschlossenen Tool kann zu unerwarteten Kostenfallen führen und Weiterentwicklungen verzögern. Mit jeder neuen Version steigen Komplexität und Migrationsaufwand, oft ohne Transparenz über die zugrunde liegenden Abhängigkeiten. Eine übermäßige Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller zwingt zu restriktiven Lizenzbedingungen und zu Standard-Updates, die selten mit den fachlichen Anforderungen übereinstimmen.
Steigende Kosten und langfristige Abhängigkeiten
Das Preismodell der Hersteller verlangt einmalige und laufende Gebühren für erweiterte Funktionen und Partner-Connectors. Diese Kosten können einen erheblichen Teil des jährlichen IT-Budgets ausmachen und den Spielraum für andere Projekte einschränken. Mittelfristig belastet die Neuverhandlung von Lizenzen oder der Erwerb zusätzlicher Module nachhaltig den Gesamt-TCO, da steigende Daten- oder Transaktionsvolumina häufig zu einer Neupreisfestsetzung führen.
Ein mittelständisches schweizerisches Maschinenbauunternehmen verzeichnete beispielsweise innerhalb von drei Jahren einen Lizenzkostenanstieg von 40 % für seine proprietäre Middleware. Dieser Mehraufwand verringerte die Budgets für Projekte zur Optimierung der Lieferkette und verdeutlichte die direkte finanzielle Auswirkung eines Vendor Lock-in.
Diese Situation unterstreicht die Notwendigkeit, schon heute eine Transition zu Open-Source-Lösungen zu prüfen. Durch den Wegfall von Lizenzkosten wird eine verlässliche Budgetplanung möglich und Ressourcen können in Innovation statt in fixe Kosten investiert werden.
Intransparenz und Kontrollverlust
In einer geschlossenen Plattform sind die Nachrichtenverarbeitungslogiken in proprietären, nicht zugänglichen Komponenten gekapselt. IT-Teams haben oft keine Möglichkeit, interne Prozesse zu prüfen, was die Nachvollziehbarkeit und Fehlerbehebung im Störungsfall erschwert. Detaillierte Logs und individuelle Metriken sind häufig eingeschränkt, wodurch die schnelle Diagnose von Performance- oder Stabilitätsproblemen limitiert wird.
Folglich erfordern Support-Fälle häufig das Einschreiten des Herstellers oder zertifizierter Berater, was die Problemlösungszeiten deutlich verlängert. Der fehlende Zugriff auf den Quellcode verhindert zudem die Anpassung von Connectors oder die Feintuning-Optimierung von Workflows, sodass oft unpassende und instabile Workarounds nötig werden.
Diese Intransparenz bremst die Weiterentwicklung interner Teams und schafft eine kritische Abhängigkeit – ein Widerspruch zu technologischer Souveränität und solider Governance-Prozesse.
Innovationshemmnisse und Rigidity
Die Einführung neuer Funktionen oder externer Connectors folgt den vom Hersteller vorgegebenen Entwicklungszyklen, die für geschäftliche Anforderungen häufig zu langsam sind. Die Anpassungsmöglichkeiten sind auf die bereitgestellten Optionen beschränkt, was teilweise aufwändige Entwicklungen außerhalb der Plattform oder unbefriedigende Workarounds erforderlich macht.
Ein schweizerischer Logistikdienstleister musste beispielsweise einen externen Microservice entwickeln, um Echtzeit-IoT-Daten an sein ERP zu übermitteln, da kein nativer Connector in der Middleware vorhanden war. Dies führte zu zusätzlicher Latenz und erschwerte die Wartung – ein Beispiel dafür, wie proprietäre Plattformen operative Optimierungsinitiativen behindern können.
Ohne die Flexibilität einer offenen oder maßgeschneiderten Lösung drohen kritische Prozesse verzögerte Abläufe und unvollständige Funktionen, was sich direkt auf Wettbewerbsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit auswirkt.
Der Aufschwung reifer Open-Source-Orchestratoren
Open-Source-Lösungen bieten Integrationsfähigkeiten auf Augenhöhe mit proprietären Plattformen – und das ganz ohne Lizenzkosten. Diese Tools bewähren sich mittlerweile in produktiven, kritischen und großskaligen Umgebungen.
Das freie Ökosystem umfasst ESB-Orchestratoren, Event-Busse und Low-Code-Instanzen, die anspruchsvollste Flüsse bewältigen können. Ihre zunehmende Verbreitung in der Industrie, im Finanzsektor und in Supply-Chain-Umgebungen zeugt von ihrer Robustheit und Leistungsfähigkeit. Dank aktiver Communities und transparenter Roadmaps werden Updates und Sicherheit kollaborativ und planbar gehandhabt.
ESB und API-Management mit WSO2 und Camel
WSO2 Enterprise Integrator und Apache Camel bilden zwei Eckpfeiler der Open-Source-Integration. WSO2 stellt eine schlanke Runtime und einen integrierten API Manager für komplexe Orchestrierungsprozesse bereit. Camel hingegen liefert ein Framework für das Nachrichtenrouting mit Anbindungen an Dutzende Protokolle und Formate.
Beide Lösungen lassen sich nahtlos in Kubernetes-Umgebungen integrieren, gewährleisten horizontale Skalierbarkeit und automatisierte Deployments. Unternehmen können so iFlows oder individuelle Routen schnell erstellen und bereitstellen – inklusive detaillierter Logs und zentralisierter Governance nach Compliance-Anforderungen.
Schweizer Herstellungsunternehmen nutzen diese Open-Source-ESB bereits, um ERP-, MES- und IoT-Cloud-Daten zu synchronisieren und dabei signifikante Betriebskosteneinsparungen bei industrietauglicher Zuverlässigkeit zu realisieren.
Ereignisorientierte Architekturen mit Kafka und Kafka Connect
Apache Kafka in Kombination mit Kafka Connect und Kafka Streams bildet die Grundlage eines Event-Busses, der Millionen von Nachrichten pro Sekunde verarbeiten kann. Diese eventgesteuerte Architektur erfüllt die Anforderungen an Echtzeit-Integration und Resilienz in Produktionsprozessen und E-Commerce-Plattformen.
Mit Kafka Connect lassen sich ERP-, CRM-Quellen oder Datenbanken nativ anbinden, ohne umfangreichen Eigenentwicklungsaufwand. Kafka Streams ermöglicht kontinuierliche Verarbeitung und Aggregation, um beispielsweise geschäftliche Kennzahlen zu berechnen oder automatisierte Workflows auszulösen.
Ein schweizerisches Logistikunternehmen nutzt dieses Muster, um sämtliche Daten von Scan-Geräten, ERP-Systemen und Tracking-Plattformen zu zentralisieren. Dies beweist, dass eine Open-Source-Ereignisarchitektur proprietäre Angebote in Sachen Elastizität und Langzeitstabilität übertreffen kann.
Low-Code-Orchestratoren und BPMN: n8n, Node-RED und Camunda
Low-Code-Orchestratoren wie n8n oder Node-RED erleichtern die schnelle Erstellung nicht-kritischer Workflows und lassen sich über JavaScript-Skripte erweitern. Ihre visuelle Oberfläche beschleunigt die Iteration und senkt die Einarbeitungszeit für Fachabteilungen.
BPMN-Engines wie Camunda oder Flowable ermöglichen die Orchestrierung komplexer Geschäftsprozesse – von der Kundenbestellung bis zur Rechnungsstellung. Ihre Konformität zum BPMN 2.0-Standard garantiert die Portabilität von Modellen und Interoperabilität mit anderen Lösungen.
Ein B2B-Dienstleistungsinstitut in der Schweiz ersetzte ein proprietäres HR-Prozessmodul durch Camunda und verkürzte die Modellierungs- und Rollout-Zeit neuer Workflows um 60 %. Dieses Beispiel zeigt, dass Open-Source-Orchestratoren Agilität und Robustheit bei der Automatisierung kritischer Prozesse vereinen.
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Die Vorteile maßgeschneiderter Middleware für eine souveräne Integration
Eine Inhouse- oder Partnerlösung passt sich exakt an fachliche Anforderungen an und vermeidet jegliche Abhängigkeit. Sie bietet volle Kontrolle über Logik, Performance und Datennutzung.
Im Gegensatz zu fertigen Plattformen basiert maßgeschneiderte Middleware auf orchestrierten Microservices in Node.js, Nest.js oder Go – ergänzt um ein API-Gateway und Message Queues. Diese modulare Architektur stärkt die Souveränität und ermöglicht eine Weiterentwicklung der Applikationen nach fachlichen Prioritäten, statt auf die Release-Zyklen eines Drittanbieters zu warten. Sie kann Batch-Worker für Stapelverarbeitungen und Queues zur Resilienzsteuerung bei Traffic-Spitzen enthalten.
Exakte Abstimmung auf fachliche Anforderungen
Die maßgeschneiderte Integrationsschicht bildet reale Flüsse eins zu eins ab: Datenvalidierung, Anreicherung, spezifische Transformationen und granulare Orchestrierungen. Jede API und jeder Worker erfüllt einen klar definierten Use Case, was Latenzen optimiert und unnötigen Code vermeidet. Dokumentation, Versionierung und Qualitätsrichtlinien lassen sich an interne Standards anpassen, um Wartungsfreundlichkeit und volle Transparenz zu gewährleisten.
Ein Schweizer Handelsunternehmen beauftragte sein Team mit der Entwicklung einer maßgeschneiderten Middleware für saisonale Spitzen. Das Ergebnis war eine Reduktion der Bestellbearbeitungszeiten um 50 % und ein drastischer Rückgang von Synchronisationsfehlern zwischen ERP und WMS – ein Beleg dafür, dass präzise fachliche Umsetzung direkt in operative Effizienz mündet.
Dieser Ansatz fördert die Zusammenarbeit von Architekten, Entwicklern und Fachverantwortlichen und gewährleistet eine kontinuierliche Ausrichtung zwischen strategischen Zielen und technischer Umsetzung.
Erweiterbarkeit, Skalierbarkeit und Resilienz
Microservices ermöglichen eine leichte horizontale Skalierung: Jeder Baustein lässt sich je nach Last oder Flussvolumen unabhängig anpassen. Worker bearbeiten asynchrone Aufgaben, ohne synchrone API-Aufrufe zu blockieren, während Queues Puffer bei plötzlichen Lastspitzen oder temporären Ausfällen gewährleisten.
Canary- oder Blue-Green-Deployments führen neue Versionen ohne Serviceunterbrechung ein, und das unabhängige Versioning einzelner Services minimiert Ausfallrisiken. Detaillierte, strukturierte Logs, frei verfügbare Metriken und anpassbare Dashboards ermöglichen proaktives Monitoring und schnelles Eingreifen bei Anomalien.
Diese feinkörnige Resilienz sichert die Business Continuity selbst bei unerwarteten Lastspitzen oder Ausfällen von Drittkomponenten.
Offenheit für Daten und Vorbereitung auf KI
Eine maßgeschneiderte Architektur stellt Logs, Events und Datenströme nativ für BI- und KI-Lösungen bereit. Pipelines können Data Lakes, Power-BI-Dashboards oder Spark-Cluster füttern, ohne auf proprietäre Connectors angewiesen zu sein.
Die Echtzeit-Verfügbarkeit der Flüsse erleichtert autonome Agents, Predictive Scoring oder kontextbezogene Empfehlungen und eröffnet fortgeschrittene Use Cases. Modelle können Ereignisse direkt aus Kafka oder RabbitMQ-Queues konsumieren, was die Entwicklung von KI-Proof-of-Concepts stark vereinfacht.
Ein Schweizer Retail-Unternehmen implementierte eine Bestandsprognose-Engine auf Basis von Streaming-Integrationsdaten und reduzierte Out-of-Stock-Situationen um 30 % bei verbesserter Warenrotation – ein Beleg dafür, dass die volle Datenkontrolle neue Wertschöpfungspotenziale erschließt.
Migrationsszenarien und strategische Entscheidungen für die SI-Integration
Mehrere Migrationsoptionen stehen zur Wahl, die unterschiedliche Prioritäten in Bezug auf Budget, Kontrolle und Deployment-Geschwindigkeit abdecken. Die Entscheidung sollte auf einer Analyse der SI-Governance, interner Kompetenzen und langfristiger Ziele basieren.
Im ersten Szenario migriert man zur SAP Integration Suite, um eine schnelle funktionale Kontinuität zu gewährleisten, allerdings bei verstärktem Lock-in. Das zweite Szenario setzt auf ein Bündel Open-Source-Tools, um Lizenzkosten zu senken und Flexibilität zu gewinnen, erfordert jedoch eine solide SI-Governance. Das dritte Szenario wählt maßgeschneiderte Middleware, maximiert Souveränität und Anpassungsfähigkeit, erfordert aber höheres Invest und Expertise.
Migration zur SAP Integration Suite
Diese Option ermöglicht eine vereinfachte Modernisierung mit nativen Tools für API-Management, Mapping und Monitoring. SAP-erfahrene Teams arbeiten weiterhin in gewohnter Umgebung und profitieren vom Herstellersupport. Allerdings bleiben die Lizenzkosten hoch und der Zugriff auf Logs sowie die interne Logik eingeschränkt.
Updates richten sich nach SAPs Release-Zyklen, und proprietäre Erweiterungen können veralten, wenn sie nicht mit der Plattformentwicklung Schritt halten. Der Fünf-Jahres-TCO kann dadurch höher ausfallen als bei einem Open-Source-Ökosystem oder einer maßgeschneiderten Middleware.
Für Unternehmen mit begrenzten internen Integrationsressourcen kann diese Lösung sinnvoll sein – vorausgesetzt, man akzeptiert einen verstärkten Vendor Lock-in und eingeschränkte Transparenz der Technologielandschaft.
Migration zu einem Open-Source-Ökosystem
Die Einführung freier Tools wie Apache Camel, Kafka oder WSO2 eliminiert Lizenzkosten und bietet hohe Modularität. Communities liefern Support, Plugins und regelmäßige Updates, während die interne SI-Governance Kohärenz und Sicherheit gewährleistet.
Die Middleware wird so zu einem Baukasten bewährter Komponenten, der Weiterentwicklungen und Monitoring erleichtert.
Entwicklung einer maßgeschneiderten Middleware
Ein Neuentwicklungsansatz ermöglicht die präzise Ausrichtung jedes Bausteins auf fachliche Anforderungen und garantiert völlige Unabhängigkeit von Herstellern. Die Anfangsinvestition umfasst Architekturdesign, Service-Entwicklung, API-Gateway-Implementierung und CI/CD-Deployment. Langfristige Vorteile zeigen sich in einem kontrollierten TCO, maximaler Agilität und nativer Vorbereitung auf KI- und Data-Projekte.
Die Zusammenarbeit mit einem Experten für Open-Source-Architekturen kann Risiken minimieren und die Qualität beschleunigen. Updates erfolgen im selbst gewählten Tempo, und jeder Service kann unabhängig refaktoriert werden, ohne die Gesamtarchitektur zu beeinträchtigen.
Dieser Ansatz eignet sich für Organisationen, die in technische Kompetenz investieren und eine zuverlässige Integration zur langfristigen Digitalisierungsstrategie sichern möchten.
Aufbau einer agilen und souveränen SI-Integration
Open-Source-Alternativen und Eigenentwicklungen gehen weit über die reine Wahl der SAP Integration Suite hinaus. Sie bieten Entwicklungsspielraum, volle Kontrolle über Integrationsprozesse und optimale Ausrichtung auf fachliche Anforderungen. Durch den Vergleich der Migrationsszenarien finden Entscheider das Modell, das am besten zu ihrer SI-Reife, ihren Ressourcen und ihren langfristigen Zielen passt.
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