Zusammenfassung – Die zunehmenden Halluzinationen Ihrer KI-Agenten offenbaren einen fehlenden Steuerungsrahmen, der das Unternehmen strategisch verzerrten Entscheidungen sowie finanziellen, regulatorischen und Reputationsrisiken aussetzt. Um von der Blackbox zur Glasbox zu gelangen, müssen Sie die Datenherkunft offenlegen, den Handlungsrahmen und Vertrauensschwellen festlegen, den Menschen in die Schleife integrieren, jede Empfehlung protokollieren und die KI-Governance an Kontroll- und Auditstandards ausrichten.
Lösung: Einen KI-Governance-Referenzrahmen einführen, der Business-Kennzahlen, Validierungsworkflows und regelmäßige Audits umfasst.
Wenn ein Mitglied der Geschäftsführung sich über eine „Halluzination“ des KI-Agenten Sorgen macht, liegt das Problem nicht in der Technologie, sondern im Fehlen eines klaren Steuerungsrahmens. Eine plausible, aber unbegründete Antwort kann zu verzerrten strategischen Entscheidungen führen, ohne Nachvollziehbarkeit oder Kontrolle.
Wie bei jedem Entscheidungssystem muss KI anhand betriebswirtschaftlicher Kennzahlen eingeschätzt, begrenzt und auditiert werden; andernfalls wird sie zum Risikovervielfacher. Dieser Beitrag bietet einen Leitfaden, um von einer Black-Box-KI zu einer Glass-Box-KI zu gelangen, ihren Handlungsrahmen zu quantifizieren, den Menschen in den Prozess einzubinden und die KI-Governance an den Standards für Kosten, Zeit und Risiken auszurichten.
KI-Halluzinationen als Geschäftsrisiko verstehen
Eine Halluzination ist kein sichtbarer Ausfall, sondern eine überzeugende, aber unbegründete Antwort. Dieser Mangel an Fundament ist gefährlicher als ein erkennbarer Fehler, weil er die Entscheidungsfindung täuscht.
Definition und Mechanismus
Eine KI-Halluzination tritt auf, wenn das Modell eine plausible Ausgabe erzeugt, ohne auf verifizierte Daten zurückzugreifen.
Technisch entsteht dieses Phänomen oft durch mangelnde Sorgfalt bei Auswahl und Gewichtung der Trainingsdaten oder durch nicht dokumentierte implizite Annahmen. Die Algorithmen füllen dann Lücken eher mit „Wahrscheinlichkeit“ als mit validen Fakten.
Im Berufsalltag ist das vergleichbar mit einem vollständigen Finanzbericht, der jedoch auf veralteten oder fehlerhaften Zahlen basiert. Das Vertrauen in das Ergebnis verschleiert die Gefahr falscher Entscheidungen.
Konkrete betriebswirtschaftliche Auswirkungen
Operativ kann eine Halluzination eine Kostenschätzung verfälschen und erhebliche Budgetüberschreitungen nach sich ziehen. Das Projekt wird dann falsch kalibriert und verursacht direkte finanzielle Folgen.
Strategisch kann eine fiktive Lieferantenempfehlung oder eine unzutreffende regulatorische Analyse das Unternehmen rechtlichen Auseinandersetzungen oder Compliance-Verstößen aussetzen. Image und Vertrauen der Partner stehen unmittelbar auf dem Spiel.
Die Hauptverwundbarkeit liegt im Verlust der Nachvollziehbarkeit zwischen Eingangsdaten, Annahmen und Entscheidung. Ohne klaren Bezug ist eine Rückverfolgung zur Überprüfung oder Korrektur unmöglich, was den Fehler weiter verbreitert.
Beispiel aus der Industrie
Ein mittelständisches Industrieunternehmen setzte einen generativen Agenten ein, um Wartungskosten für seine Produktionslinien zu prognostizieren. Die KI extrapolierte historische Stückzahlen und gab vor, sich auf aktuelle Daten zu stützen, was zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Bedarfs um 15 % führte.
Dieser Fall zeigt, dass eine nicht audierte KI fehlende Datenaktualisierungen verbergen und zu fehlerhaften Budgetentscheidungen führen kann. Die Gesamtplanung des Programms war monatelang gestört, was Verzögerungen und Mehrkosten zur Folge hatte.
Es ist entscheidend, für jede KI-Ausgabe einen expliziten Verweis auf die zugrunde liegenden Daten zu verlangen, um finanzielle und operative Risiken zu minimieren.
Von der Black Box zur Glass Box
Für strategisches Management muss KI erklärbar sein – wie ein Finanzmodell oder ein Businessplan. Ohne Transparenz bleibt die Entscheidung undurchsichtig und unkontrollierbar.
Minimale Anforderungen an die Erklärbarkeit
In einem Führungsgremium sollte niemand eine Zahl absegnen, ohne deren Herkunft nachvollziehen zu können. Das ist ein ebenso unerlässlicher Standard wie der Nachweis eines Budgets oder eines Finanzaudits.
Erklärbarkeit bedeutet nicht, jeden Algorithmus im Detail zu verstehen, sondern einen klaren Überblick über Datenquellen, implizite Annahmen und Modellgrenzen zu erhalten. Diese Granularität gewährleistet fundierte Entscheidungen.
Ohne dieses Transparenzniveau wird KI zum reinen Instrument, dessen Logik verborgen bleibt und dessen Risikoumfang sich erst erschliesst, wenn es zu spät ist.
Schlüsselkomponenten der Glass Box
Zu dokumentieren sind drei Elemente: die verwendeten Datenquellen (interne, externe, Aktualisierungsdatum), die integrierten fachlichen Annahmen (Risikoparameter, Berechnungsregeln) und bekannte Abweichungen gegenüber den realen Betriebsdaten.
Jede Ausgabe muss von einer Notiz begleitet sein, die Generierungs- und Validierungsbedingungen beschreibt. Bei kritischen Entscheidungen gewährleistet dieser Bericht eine Verantwortungskette wie ein Sitzungsprotokoll oder ein Buchhaltungsbeleg.
Dieser Ansatz lässt sich nahtlos in bestehende interne Kontrollprozesse integrieren, ohne unverhältnismäßige Administrationslast, da Format und Inhalt an bewährte IT- und Finanz-Audit-Standards angelehnt sind (siehe Best Practices Audit).
Beispiel aus dem Finanzsektor
In der Compliance-Abteilung einer Bank wurde ein KI-Agent eingesetzt, um regulatorische Dokumente auf Übereinstimmung hin zu prüfen. Die Verantwortlichen stellten fest, dass manche Empfehlungen keinen Bezug auf die amtliche Gesetzesfassung hatten und nicht überprüfbar waren.
Dies deckte die fehlende Nachvollziehbarkeit im Verarbeitungspipeline auf. Daraufhin wurde ein Workflow eingeführt, bei dem jede KI-Empfehlung mit einem präzisen Verweis auf den konsultierten Gesetzesartikel und dessen Version versehen sein muss.
Diese Maßnahme stellte das Vertrauen der internen und externen Prüfer wieder her und beschleunigte zugleich die Tool-Adoption bei den Fachbereichen.
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KI als Entscheidungssystem bewerten
KI allein nach technischer Leistung oder Produktivität zu beurteilen, reicht nicht aus. Sie muss wie jedes Entscheidungssystem nach Umfang, Risiko und Fehlerkosten quantifiziert werden.
Den Entscheidungsrahmen festlegen
Der erste Schritt ist, die Rolle der KI zu bestimmen: reine Empfehlung, Voranalyse zur Validierung oder autonome Entscheidungsfindung. Jede Stufe erfordert unterschiedliches Vertrauen und Kontrolle.
Ein unklar definierter Rahmen birgt Überraschungen: KI erkennt nicht automatisch ihre Grenzen und kann unzulässige Fälle bearbeiten, was unerwartete Aktionen auslöst.
Die Klarstellung dieses Rahmens bereits bei der Projektplanung ist genauso entscheidend wie Budget- oder Zeitfestlegungen.
Risiko und Vertrauen quantifizieren
Das akzeptable Risiko sollte über einen Vertrauensbereich (confidence range) definiert sein, nicht über eine einzige Genauigkeitsrate. So lassen sich verlässliche von zu überprüfenden Bereichen unterscheiden.
Parallel muss der Fehlerkostenfaktor – finanziell, rechtlich, reputationsbezogen – für jeden Entscheidungstyp bestimmt werden. Diese Bewertung legt Prioritäten für Kontrollen und menschliche Validierungen fest.
Ohne solche Kennzahlen fehlen konkrete Grundlagen, um über Tempo versus Risikotoleranz zu entscheiden.
Beispiel aus dem Gesundheitswesen
Ein Krankenhaus führte einen KI-Assistenten für die Terminplanung ein. In manchen Szenarien erstellte der Agent einen unrealistischen Plan, weil er verschiedene Parameter (Durchschnittsdauer, Notfälle, Raumverfügbarkeit) falsch kombinierte.
Die Fehlerkosten zeigten sich am nächsten Tag in überbelegten Slots und höheren Fehlzeiten. Das Management definierte daraufhin einen Vertrauensbereich: Überschreitet die Abweichung 10 % gegenüber einem Standardplan, ist eine menschliche Validierung verpflichtend.
Diese Regel sicherte ein hohes Servicelevel, während die Produktivitätsvorteile des Tools erhalten blieben.
Human-in-the-Loop und strategische Governance
KI beschleunigt Entscheidungen, doch die Verantwortung bleibt beim Menschen. Ohne Validierungsschwellen und kontinuierliches Audit wird KI zum Risikofaktor.
Validierungsschwellen und Peer Review
Es empfiehlt sich, für jede Ausgabekategorie Kritikalitätsschwellen festzulegen. Als hochrisikoeingestufte Entscheidungen müssen vor Ausführung stets menschlich validiert werden.
Ein Peer Review zwischen KI und Fachexperten stellt sicher, dass Abweichungen oder Anomalien früh erkannt werden, bevor sie sich im System ausbreiten.
Dieser Prozess ähnelt dem Gegenlesen eines Berichts oder einem Code-Review und lässt sich in bestehende Governance-Zyklen integrieren, ohne die Entscheidungsfindung zu verlangsamen.
Protokollierung und kontinuierliches Audit
Jede KI-Empfehlung muss mitsamt Eingabeparametern, Vertrauensscores und anschließenden menschlichen Entscheidungen archiviert werden. Diese Protokollierung ist unerlässlich für spätere Untersuchungen.
Regelmäßige Audits vergleichen Prognosen und Empfehlungen mit der operativen Realität. Sie decken Abweichungen auf und treiben einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess des Modells voran.
Dieser Mechanismus ähnelt Post-Deployment-Kontrollen in der Finanzbranche oder Projekt-Performance-Reviews und sichert langfristige Kontrolle.
Governance, Compliance und KPI
KI muss in bestehende Governance-Prozesse eingebunden sein: Nutzungsrichtlinien, Dokumentation, Risikokartierung und Einhaltung von Vorschriften (EU AI Act oder lokale Regelwerke).
Spezifische Kennzahlen – Genauigkeit, Modell-Drift, Ablehnungsrate, Wiederverwendbarkeit – ermöglichen die Steuerung der KI wie eines Risikoportfolios oder Budgets.
Ohne Einbindung ins strategische Management bleibt KI ein Experiment und kein Performance-Hebel. Die formale Festlegung von Rollen, Verantwortlichkeiten und Kontrollpunkten ist der Schlüssel zur zuverlässigen Einführung.
KI als Wettbewerbsvorteil steuern
Halluzinationen sind kein einfacher Bug, sondern ein Alarmsignal für mangelhafte Governance. Eine leistungsfähige KI ist erklärbar, kalibriert und kontinuierlich auditiert – wie jedes strategische Entscheidungssystem.
Es reicht nicht, KI einzusetzen: Man muss mit ihr entscheiden, ohne die Kontrolle zu verlieren. Führungskräfte, die diesen Rahmen integrieren, schöpfen das volle Potenzial der KI-Transformation und beherrschen ihre Risiken.
Egal auf welchem Reifegrad Sie stehen: Unsere Expertinnen und Experten unterstützen Sie dabei, Ihre KI-Governance zu definieren, den Handlungsrahmen abzustecken, den Menschen in die Schleife einzubinden und Ihre Prozesse nach Best Practices auszurichten.
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