Zusammenfassung – Der Wettbewerbsdruck, schwankende Schadensfälle und regulatorische Anforderungen zwingen Versicherer, die Souveränität ihres IT-Systems zu gewährleisten und gleichzeitig Agilität zu steigern sowie Kosten zu kontrollieren. Durch die Kombination von Cloud und KI lassen sich Aktivitätsspitzen antizipieren, das Schadenmanagement automatisieren, IT-Ressourcen kontinuierlich optimieren und Daten über eine robuste, Multi-AZ- oder Multi-Cloud-Governance nach DORA absichern.
Lösung: Eine souveräne Plattform mit klaren Business-Zielen, Teamschulungen, erprobten Frameworks und dokumentiertem Exit-Plan aufbauen.
Der Wettbewerbsdruck, die Volatilität der Schadensfälle und die gesetzlichen Anforderungen drängen Versicherer dazu, ihr Informationssystem neu auszurichten. Die Kombination aus Cloud und Künstlicher Intelligenz auf einer digitalen Souveränitätsplattform gilt heute als Schlüssel, um Aktivitätsspitzen vorherzusehen, Schadenmeldungen automatisiert zu bearbeiten und IT-Ressourcen optimal einzusetzen.
Diese Transformation muss jedoch auf soliden Grundlagen fußen: verständliche Business-Ziele, kontinuierliche Schulung der Teams, klare Governance und verstärkte Sicherheit. Gleichzeitig erfordert die digitale Souveränität ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Multi-Cloud-Flexibilität und der Kontrolle von Abhängigkeiten. Dieser Artikel bietet einen pragmatischen Ansatz, um Agilität, Compliance und IT-Resilienz in der Versicherungsbranche zu verbinden.
Cloud und KI: Katalysatoren einer resilienten IT
Die Kombination aus Cloud und KI ermöglicht es, Lastschwankungen automatisch vorherzusagen und Geschäftsprozesse zu optimieren. Sie bietet die nötige Agilität, um auf Schadensaisons und unvorhergesehene Krisen reagieren zu können.
Mit skalierbaren Diensten und integrierten Prognosemodellen wird die Infrastruktur zu einer intelligenten Plattform, die sich in Echtzeit selbst anpasst.
Spitzenbelastungen frühzeitig erkennen
Schadensfälle folgen oft saisonalen oder konjunkturellen Mustern: Frühjahrsüberschwemmungen, Winterstürme oder Pandemien. Durch die Kombination historischer, meteorologischer und verhaltensbezogener Daten sagen KI-Modelle Hochlastphasen zuverlässig voraus.
Die Elastizität der Cloud ermöglicht dann die automatische Bereitstellung zusätzlicher Kapazitäten, ohne Ressourcen in Niedriglastzeiten zu blockieren. Diese geplante Skalierung reduziert das Risiko von Überlastungen und garantiert ein reibungsloses Benutzererlebnis.
Die dynamische Dimensionierung minimiert zudem Verschwendung und behält die Infrastrukturkosten im Griff. Anstatt physische Server für seltene Spitzen anzuschaffen, bezahlt der Versicherer nur die tatsächlich genutzten Ressourcen.
Beispiel: Ein E-Commerce-Anbieter hat eine Wetter- und Verkehrsvorhersage-Engine integriert, um seine Cloud-Ressourcen täglich anzupassen. Dadurch konnten die Mehrkosten bei Lastspitzen um 35 % gesenkt werden, während die API-Antwortrate bei über 99,8 % blieb.
Ressourcenoptimierung
Über die reine Skalierung hinaus bieten Cloud-Plattformen verwaltete Dienste für Datenbanken, Storage und Computing. Diese Bausteine werden von den Hyperscalern optimiert und zeichnen sich durch performante und kosteneffiziente Skalierung aus.
KI-Modelle nutzen diese Dienste, um Cluster kontinuierlich neu zu kalibrieren und Rechenaufgaben nach geschäftlicher Priorität zu verteilen. Unkritische Workloads können als Spot-Instanzen ausgeführt werden, was noch günstiger ist.
Diese automatisierte Orchestrierung entlastet die Betriebsteams von Tuning- und Monitoring-Aufgaben. Sie können sich stattdessen auf die Entwicklung neuer Services oder die Verbesserung prädiktiver Algorithmen konzentrieren.
Durch die präzise Abstimmung aller Ressourcen erreicht der Versicherer ein Gleichgewicht zwischen Leistung, Kosten und Energieverbrauch, was auch zu den ESG-Zielen beiträgt.
Automatisierung der Schadenbearbeitung
KI-gestützte Klassifizierung von Schadenmeldungen beschleunigt die Zuordnung und leitet Fälle an die richtigen Teams weiter. Auf Basis von Hunderttausenden historischer Fälle erkennen die Klassifizierungsmodelle die Schwere und priorisieren dringende Anliegen.
Claim Bots extrahieren automatisch Anhänge, prüfen die Vollständigkeit der Unterlagen und starten Workflows. Die Mitarbeitenden konzentrieren sich auf komplexe Fälle, während der Rest nahezu in Echtzeit im Batch-Modus abgearbeitet wird.
Diese End-to-End-Optimierung verkürzt die durchschnittliche Bearbeitungszeit und steigert die Zufriedenheit der Versicherten. Kennzahlen wie die Zeit bis zum Entschädigungsangebot verkürzen sich um mehrere Tage.
Insgesamt senkt die Automatisierung die Schadenbearbeitungskosten und stärkt die Wahrnehmung der Reaktionsfähigkeit des Versicherers – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Unverzichtbare Grundlagen für eine souveräne und skalierbare Plattform
Um Cloud und KI voll auszuschöpfen, müssen Versicherer tragfähige Fundamente legen: klare Business-Ziele, kontinuierliche Schulung und strukturierte Governance. Ohne diese Pfeiler bleibt die Transformation oberflächlich und riskant.
Die Einführung bewährter Standards und anerkannter Methodik-Frameworks gewährleistet einen konsistenten, reproduzierbaren Rollout mit Nachvollziehbarkeit und Kostenkontrolle.
Klare Definition der Business-Ziele
Jedes Cloud-KI-Projekt sollte mit einer klaren Geschäftsfrage beginnen, etwa der Senkung der durchschnittlichen Schadenbearbeitungskosten oder der Beschleunigung von Schadenmeldungen.
Die Abstimmung dieser Ziele auf die Gesamtstrategie des Versicherers ermöglicht die Priorisierung wertschöpfender Initiativen und verhindert ROI-lose Experimente.
Messbare KPIs (Reaktionszeit, Automatisierungsgrad, TCO) sind im Vorfeld festzulegen, um das Projekt effektiv steuern zu können.
Diese Vorgehensweise verhindert isolierte Proof-of-Concepts und schafft eine kohärente Roadmap für die gesamte IT-Abteilung.
Kontinuierliche Ausbildung der Teams
Cloud und KI entwickeln sich schnell weiter, sodass Kompetenzen innerhalb weniger Monate veralten können. Regelmäßige Schulungen garantieren den optimalen Einsatz neuer Dienste.
Trainingsprogramme müssen sowohl technische Themen (Infrastructure as Code, MLOps, Data Engineering) als auch Governance- und Sicherheitsaspekte abdecken.
Hands-on-Workshops und interne Zertifizierungen fördern den Tool-Umgang und die Verbreitung bewährter Praktiken im Unternehmen.
Diese Skills-Offensive minimiert Fehlkonfigurationen, verringert potenzielle Sicherheitslücken und stärkt das Vertrauen in die digitale Transformation.
Verstärkte Sicherheit und transparente Governance
Der Schutz von Kundendaten und die Resilienz der Infrastruktur setzen strenge Sicherheitsrichtlinien voraus: Verschlüsselung, granulare Identity and Access Management (IAM), Cloud-Firewalls und kontinuierliches Monitoring.
Eine zentrale Governance mit Architektur- und Change-Review-Komitees sichert die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und die Einhaltung von Vorschriften (GDPR, DORA).
Regelmäßig getestete Notfallwiederherstellungspläne (Disaster Recovery) garantieren Servicekontinuität im Ernstfall.
Dieses “Security by Design” stärkt auch das Vertrauen von Regulierungsbehörden und Partnern und trägt zur digitalen Souveränität bei.
Einführung anerkannter Frameworks
Die AWS Well-Architected Framework, das Microsoft Cloud Adoption Framework und das Google Cloud Architecture Framework liefern einen Best-Practice-Katalog für Robustheit, Performance, Sicherheit und Kostenoptimierung.
Sie begleiten den gesamten Cloud-Lebenszyklus: Strategie, Design, Deployment, Betrieb und kontinuierliche Verbesserung.
So lassen sich bestehende Architekturen evaluieren und Maßnahmenpläne zur Schließung von Lücken im “State of the Art” erstellen.
Beispiel: Ein mittelständisches Finanzinstitut hat sich am AWS Well-Architected Framework orientiert, um seine Back-Office-Infrastruktur zu überarbeiten. Dabei konnten die jährlichen Cloud-Kosten um 20 % gesenkt werden, während das SLA für kritische APIs verbessert wurde.
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Pragmatische Ansätze für digitale Souveränität
Statt einem Dogma aus Multi-Cloud sollten die meisten Versicherer einen Hauptanbieter mit Resilienzgarantien wählen. Ein kontrolliertes Lock-in mit Exit-Strategie gemäß DORA ist häufig pragmatischer.
Multi-Cloud bietet zwar Flexibilität und regionale Compliance, verursacht jedoch hohe Komplexität, Integrationsaufwand und Governance-Bedarf.
Vorteile und Herausforderungen von Multi-Cloud
Multi-Cloud ermöglicht die Verteilung von Workloads nach Stärken der einzelnen Anbieter und erfüllt Datenspeicherpflichten.
Die Steuerung mehrerer Umgebungen erfordert jedoch spezialisierte Kompetenzen, Multi-Plattform-Management-Tools und standardisierte Betriebsabläufe.
Tool-, Lizenz- und Schulungskosten können die anfänglichen Vorteile schnell zunichtemachen, insbesondere ohne klar definierte Anwendungsfälle.
In stark regulierten Szenarien bleibt Multi-Cloud relevant, muss aber von robuster Governance begleitet werden, um IT-Silos zu vermeiden.
Kontrolliertes Lock-in und Resilienz
Sich für einen Hauptanbieter zu entscheiden bedeutet nicht, die digitale Souveränität aufzugeben. Multi-AZ- und Multi-Region-Architekturen gewährleisten hohe Verfügbarkeit und schnelle Wiederherstellung im Ausfallfall.
Infrastructure as Code und standardisierte Container (Kubernetes) reduzieren technologischen Vendor Lock-in und erleichtern Cross-Cloud-Deployments.
Dieses partielle Lock-in ermöglicht zentrale Kosten- und Betriebssteuerung und bewahrt gleichzeitig die Möglichkeit, Workloads bei Bedarf zu exportieren.
Beispiel: Ein mittelständischer Industriehersteller setzte auf einen einzigen Cloud-Anbieter in zwei europäischen Regionen. Diese Strategie ermöglichte 99,99 % Verfügbarkeit und behielt die Flexibilität einer geplanten Migration zu einem Zweitanbieter bei sich ändernden Vertragsbedingungen.
DORA-Compliance und Exit-Strategie
Die DORA-Verordnung stellt hohe Anforderungen an das Risikomanagement von ICT-Drittanbietern und schreibt Notfallpläne vor.
Versicherer müssen Abhängigkeiten dokumentieren, ihre Disaster-Recovery-Pläne regelmäßig testen und klare Exit-Klauseln mit den Cloud-Providern vereinbaren.
Ein “Pull-Based Model” und herstellerunabhängige Backups gewährleisten minimale Portierbarkeit von Daten und Workloads.
Diese Vorbereitung vermeidet Überraschungen bei Ausfällen oder Vertragsänderungen und sichert die operative Souveränität.
Komplexität und verstärkte Governance
Die Pflege einer Multi-Cloud-Architektur oder eines kontrollierten Lock-ins erfordert eine detaillierte Überwachung: permanent Inventar, Kostenkontrolle und Sicherheits-Audits.
Eine zentrale Cloud-Management-Plattform konsolidiert Logs, Metriken und Alarme an einem Ort.
Regelmäßige Cloud-Strategie-Komitees überprüfen Beschaffungsrichtlinien, passen Budgets an und bewerten die Workload-Verteilung neu.
Diese übergreifende Governance sichert die Einhaltung interner Richtlinien und regulatorischer Vorgaben und optimiert zugleich Ressourceneinsatz und Investitionen.
Governance für KI und Transparenz statt Black Box
Um KI zu beherrschen und digitale Souveränität zu wahren, ist eine eigene Governance unerlässlich, die Erklärungspflicht und regelmäßige Audits sicherstellt. Ohne Transparenz bleibt KI eine hochriskante Black Box.
Die Integration von Modellen in den IT-Servicekatalog und deren kontinuierliche Überwachung fördern ein gemeinsames Verständnis und kohärente Steuerung.
Steuerung und Überwachung von KI-Modellen
Jedes eingesetzte Modell muss in einem zentralen Register mit Versionen, Parametern und Performance-Kennzahlen erfasst werden.
Die MLOps-Pipelines automatisieren Training, Tests und Deployment und liefern Berichte über Daten-Drift und prädiktive Qualität.
Ein einheitliches Dashboard überwacht in Echtzeit Genauigkeitsraten, Ablehnungskosten und Business-Impact der Modelle und erleichtert die Interpretation für IT und Risikomanagement.
Dieses Observatorium verhindert algorithmische Abweichungen und erlaubt schnelle Reaktionen bei Leistungsabfall oder entdeckten Biases.
Erklärbarkeit und regelmäßige Audits
Erklärbarkeitsverfahren (SHAP, LIME) zerlegen den Einfluss einzelner Variablen auf die Endentscheidung und bieten Data Scientists, Juristen und Auditoren klare Einblicke.
Vierteljährliche Reviews prüfen die Datenqualität, regulatorische Compliance und Auswirkungen von Modell-Updates.
Dieses kontinuierliche Audit stärkt das Vertrauen der Geschäftsleitung und der Aufsichtsbehörden und mindert juristische und reputationsbezogene Risiken.
Zugleich deckt es Verbesserungsmöglichkeiten auf, etwa durch Hinzufügen fachlicher Variablen zur Verfeinerung der Betrugserkennung oder komplexer Schadenprognosen.
Anwendungsfälle und fachliche Anpassung
Die Governance muss pragmatisch bleiben: Jeder KI-Anwendungsfall wird nach seinem geschäftlichen Mehrwert, Risiko und Wartungsaufwand bewertet.
Erfahrungsrückmeldungen fließen in iterative Verbesserungszyklen ein und sichern die Zukunftsfähigkeit und Skalierbarkeit der Plattform.
Sichern Sie die Resilienz und Souveränität Ihrer Versicherungs-IT
Durch die Kombination von Cloud und KI in einer sicher governed und DORA-konformen Infrastruktur können Versicherer Lastspitzen vorausplanen, Prozesse automatisieren und Kosten optimieren. Die Grundlagen bilden klare Business-Ziele, kontinuierliche Schulung, transparente Governance und der Einsatz bewährter Frameworks. Statt einer komplexen Multi-Cloud-Strategie erweist sich oft ein kontrolliertes Lock-in mit Multi-AZ-Garantien und dokumentierter Exit-Strategie als effektiver Weg zur digitalen Souveränität.
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